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Heike Stüben zu den Hebammen

Kommentar Heike Stüben zu den Hebammen

Es ist verrückt: Da wird alles in Bewegung gesetzt, damit wieder mehr Kinder in Deutschland geboren werden, und dann werden Frauen schon am Anfang nicht so betreut, wie sie es sich wünschen und brauchen: von einer Hebamme, die sich im Eins-zu-eins-Kontakt um die Schwangere, Gebärende und junge Mutter kümmert.

 Nicht etwa, weil es keine Hebammen mehr gibt oder sie nicht arbeiten wollen.

Nein, viel zu viele dieser Geburtsexpertinnen haben sich zum Teil oder ganz aus dem Beruf zurückgezogen, weil sie die Entwicklung in der Geburtshilfe nicht mehr akzeptieren. Die davon frustriert sind, dass von den landesweit 34 Geburtskliniken (1994) inzwischen 15 dichtgemacht worden sind. Dass werdende Mütter und Hebammen immer längere Wege in Kauf nehmen müssen. Oder die sich die hohen Haftpflichtprämien schlicht nicht leisten können. Vor allem aber: Die nicht Teil eines Gesundheitssystems sein wollen, in dem die natürliche Geburt so schlecht vergütet wird, dass Hebammen sich einen Nebenjob suchen müssen und Geburtshilfe für Krankenhäuser ein Minusgeschäft ist. Und in dem erschreckend viele Babys per Kaiserschnitt zur Welt kommen: Bei den AOK-Versicherten in Schleswig-Holstein galt das 2015 und 2016 für 46 Prozent der Babys!

Weil es wirtschaftlicher war? Weil keine Hebamme verfügbar war? Weil Frauen es aus Unkenntnis so wollten? Sicher ist: Es läuft etwas gewaltig schief in der Geburtshilfe. Eine Therapie ist überfällig.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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