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Konrad Bockemühl zu „Turandot“

Kommentar Konrad Bockemühl zu „Turandot“

Es lässt sich munter spekulieren über die Gründe, warum die Nachfrage der Kieler Sommeroper des Jahres 2017 etwas zögerlicher anlief als über fünf Jahre gewohnt.

War es die Werkauswahl oder schlicht nachlassende Neugier? Waren es leicht erhöhte Preise oder überhöhte Sorgen um beständiges Wetter? Der frühe Termin, ein Sättigungsgefühl zum Spielzeitende? Oder gar die zunehmend attraktive, dezentrale Public-Viewing-Alternative: Wir-Gefühl in lockerer Atmosphäre bei hoher Bild- und Tonqualität – und letztlich auf Kosten der zahlenden Gäste.

Wir werden es nicht erfahren. Es ist ja letztlich auch gar nicht so wichtig. Das Ergebnis zählt: 97 Prozent Auslastung, das heißt, alle acht Vorstellungen im Herzen der Stadt waren praktisch ausgebucht – wie in den Vorjahren. Nur, dass bisher diese „Richtmarke“ schon früher, nervenschonender, greifbar war.

Letztlich hat sich der Kraftakt des Theaters auch 2017 ausgezahlt. Hat sich gezeigt, dass eine Oper mit schönen Melodien und eingängiger Handlung, eine opulente Produktion und herausragendes künstlerisches Niveau in außergewöhnlicher Atmosphäre nach wie vor reichlich Neugier und ansteckende Begeisterung zu wecken imstande sind. Für diese hohen Qualitäten nehmen die Kieler Wetterrisiken, wenn auch kurzentschlossener, beherzt in Kauf. Weil eben nichts über das Live-Erlebnis geht. Um viele und immer neue Menschen zu dieser Erkenntnis zu führen, hat freilich auch die Idee des Public Viewing nachhaltige Bedeutung. In Gaarden oder Mettenhof weit mehr noch als am benachbarten Bootshafen.

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