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Meinungen Laura Treffenfeld zum Frauentag
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08:00 08.03.2019
Von Laura Treffenfeld
Laura Treffenfeld kommentiert den Frauentag. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

"Bist du aber schön, du süße Maus." So einen Satz hören kleine Mädchen ziemlich oft. Es begleitet sie, bis sie Frauen sind und suggeriert ihnen, dass es wohl gut ankommt, schön zu sein. Und dass es etwas Erstrebenswertes ist. Aber es hält sie vor allen Dingen klein. Vergessen wir die Schönheit - über den heutigen Weltfrauentag hinaus!

Wer in sich hineinhorcht und einmal das Rauschen der Werbeindustrie ausblendet, der wird mitunter feststellen, dass Träume sich auf viel essenziellere Dinge beziehen. Wir wollen gut in unseren Berufen sein, wir wollen etwas Sinnvolles tun, die Welt sehen und gestalten. Wir wollen neue Arten entdecken, ins Weltall fliegen, eine Familie gründen, Hochhäuser entwerfen oder Wirtschaftsimperien aufbauen. Wir wollen als Charaktere gesehen werden und nicht als Anziehpuppen. Es sollte egal sein, welche Größenangabe auf dem Schild in unseren Klamotten steht. Unser Problembewusstsein kann über unseren Körper hinausreichen.

Doch noch immer entspricht die weibliche Hauptrolle in so gut wie jedem Film dieser Erde dem aktuellen Schönheitsideal. Jedes Shampoo erklärt uns, dass wir uns bitte mit mehr Volumen und Glanz optimieren sollten. Plakate, Modelshows, Instagram-Accounts – überall wird einem entgegengeschrien: Du musst schön sein, um als Frau wertvoll zu sein. Wer laut, hässlich oder unbequem ist, verstößt gegen die weibliche Schicklichkeit. Mädchen wird oft beigebracht, nicht dazwischen zu reden und sich zurückzuhalten. Doch schaut man sich um, sind gerade die unbequemen Zeitgenossen die guten Führungspersonen. Lasst uns also laut sein und unbequem und frech.

Solange eine Frauenquote in Deutschland notwendig ist, kann nicht von der Gleichberechtigung der Geschlechter gesprochen werden. Im Jahr 2019 sind unterschiedliche Gehälter bei gleichen Aufgaben immer noch Realität. Gut ausgebildete Frauen übernehmen oft wie selbstverständlich mehr Haushaltsaufgaben als ihre Partner, bleiben eher bei den Kindern zu Hause als die Männer. Natürlich können wir uns alle freuen, dass die Zeiten, in denen Frauen die Erlaubnis von ihren Ehemännern einholen mussten, wenn sie arbeiten gehen wollten, vorbei sind. Ebenso wie die Epoche, in der die Kirche schrieb, der Mann sei der Geist, die Frau das Fleisch. Aber sollen wir unsere Fortschritte wirklich mit dem Mittelalter vergleichen?

Es wäre besser, uns selbst davon zu überzeugen, dass wir anpacken und erreichen können, was immer wir wollen. Dann können wir auch andere davon überzeugen. In Berlin wird der Weltfrauentag heute das erste Mal als Feiertag begangen. Ein tolles Zeichen. Noch toller wäre es, wenn wir gar keinen Weltfrauentag bräuchten.

Wir müssen aufhören, jede Müsli-Packung mit einem Topmodel zu bedrucken. Und wir sollten den kleinen Mädchen öfter sagen, wie toll sie auf den Baum geklettert sind - und nicht, wie schön ihr Kleid aussieht.

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