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Christian Longardt zur Bildungsministerin

Leitartikel Christian Longardt zur Bildungsministerin

Seit Ende der 80er-Jahre hat die CDU nicht mehr das Bildungsministerium in Schleswig-Holstein geführt. Peter Bendixen war 1988 der letzte konservative Schulminister, danach war die Bildungspolitik fast 30 Jahre lang mehr oder weniger fest in sozialdemokratischer Hand, abgesehen von einem liberalen Intermezzo durch Ekkehard Klug.

Es lässt sich nachfühlen, wie sehr es die SPD schmerzt, mit der Wahlniederlage dieses Schlüsselressort verloren zu haben. Allen Kindern die gleichen Bildungschancen zu ermöglichen, ist ein sozialdemokratisches Herzensanliegen. Eva Rühmkorf, Marianne Tidick, Gisela Böhrk, Ute Erdsiek-Rave, Britta Ernst – lang ist die Liste der Ministerinnen, die für dieses Ziel einstanden und das Bildungssystem im Norden geprägt haben.

 Entsprechend groß ist auf Seiten der SPD die Sorge, Karin Prien, eine Konservative aus Blankenese, könne das Rad der Geschichte zurückdrehen. So erklärt sich die heftige Reaktion im Landtag, als Prien vor Wochen erstmals ans Rednerpult trat und von Zwischenrufen unterbrochen wurde, bis sie sich selbst einen Ordnungsruf einhandelte. Es wird nicht die letzte turbulente Bildungsdebatte gewesen sein. Denn die CDU wird das Schulsystem neu justieren. Weil sie den Wählerauftrag dazu hat.

 An erster Stelle steht die Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren. Auf dieses populäre Thema gesetzt zu haben, war ein entscheidender Schachzug von Daniel Günther. Das mag die SPD reaktionär finden – die klare Mehrheit der Bürger aber unterstützt diese Rolle rückwärts, so anstrengend sie für die Schulen sein wird. Prien wird auch darauf achten, dass Gymnasien künftig nicht vernachlässigt werden. Dazu gehört eine eigenständige Ausbildung für Gymnasiallehrer, die auf die besonderen Anforderungen der höheren Lehranstalten eingeht.

 Dass Prien zum Schuljahresbeginn betont, dass sie auch schon in der Grundschule Wert auf den Leistungsgedanken legt, ist eine dritte Kurskorrektur. Notenzeugnisse ab Klasse drei, korrekte Rechtschreibung, neue Anforderungen in Mathe – Prien setzt auch hier sehr deutlich neue Akzente. Sie wird das Schulsystem gleichwohl nicht aus den Angeln heben.

 Dafür besteht auch kein Anlass, vieles hat sich in den vergangenen Jahren gut entwickelt. Zuletzt ist es Britta Ernst gelungen, mit ihrem unaufgeregten Stil und seriöser Sacharbeit die Schuldebatte zu beruhigen. Im Ministerium sitzen anerkannte Fachleute, das will und wird auch Prien schätzen und nutzen.

 Günther wiederum weiß, dass er sich eine Bildungspolitikerin an Land gezogen hat, die keine Scheu hat, für ihre Überzeugung auch in den eigenen Reihen zu kämpfen. Bei ihrem Feldzug gegen die sechsjährige Primarschule in Hamburg hat sie sich einst mit Ole von Beust angelegt – der Beginn ihres politischen Aufstiegs.

 Im Übrigen hat Prien gegenüber mancher Vorgängerin einen unbestreitbaren Vorteil: Als Mutter von drei Söhnen weiß sie aus ganz praktischer Erfahrung, was in der Schule wichtig ist.

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Christian Longardt
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Foto: Zum Beginn des neuen Schuljahrs legte Bildungsministerin Karin Prien (CDU)die Zahlen zum Personalbedarf bei den Lehrern und zur Entwicklung der Schülerzahlen vor.

Gut 24.000 Erstklässler starten am kommenden Montag in ihr Schulleben. Das sind 4,8 Prozent mehr als vor einem Jahr, wie Bildungsministerin Karin Prien (CDU) am Donnerstag bekanntgab. Weil die ersten Schuljahre so wichtig sind, soll die Qualität an den Grundschulen stärker betont werden.

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