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Meinungen Christian Longardt zur Pressefreiheit
Mehr Meinungen Christian Longardt zur Pressefreiheit
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08:33 03.05.2017

Wir wollen damit ein weithin sichtbares Zeichen in schwierigen Zeiten setzen. Weil die Freiheit der Presse in vielen Teilen der Welt in akute Bedrängnis geraten ist. Selbst in Ländern, deren demokratisches Fundament zuvor für absolut krisenfest gehalten wurde.

„Free you, free me, free us, free them“, lautet die Botschaft der Witwe von Beatle John Lennon, vier knappe Zeilen, umgeben von viel Weiß, das breiten Raum für Interpretation lässt. Journalisten in Deutschland möchten noch eine Zeile hinzufügen: Free Deniz! Der „Welt“-Korrespondent Deniz Yücel sitzt seit Wochen in der Türkei hinter Gittern, einer von wohl weit mehr als 100 Kollegen, die seit dem Putschversuch unter mehr oder minder fadenscheinigen Begründungen festgenommen worden sind.

Yücel wollte tun, was sein Job ist: Fragen stellen, Antworten notieren, die Öffentlichkeit informieren. Doch nicht nur Präsident Erdogan schränkt die Freiheit der Presse in einer für unsere Maßstäbe inakzeptablen Weise ein, womit für die Türkei auf Jahre die Mitgliedschaft in der Europäischen Union und auch jegliche Verhandlung darüber ausgeschlossen sein sollte. Selbst EU-Staaten wie Polen und Ungarn behindern die Arbeit von unbequemen Journalisten, Donald Trump hetzt in Amerika scham- und respektlos gegen die besten Rechercheure aus Washington und New York – wenn Trump „You are fake news“ brüllt, läuft es nicht nur Journalisten eiskalt den Rücken herunter.

Ja, es kann einem angst und bange werden um manche Demokratie, von den Regimen, in denen unliebsame Reporter seit jeher mundtot gemacht werden, ganz zu schweigen. Seit Beginn der Flüchtlingskrise ist die Arbeit auch für hiesige Journalisten schwieriger geworden. Mehr als einmal wurden Kollegen attackiert, Hass-Mails und Gewaltandrohungen gehörten 2015/2016 für fast jede deutsche Redaktion zum Alltag. Bis heute leiden besonders die Online-Teams, die die Flut von Posts und Kommentaren sichten und entscheiden, wo die rote Linie überschritten ist. Zart besaitet darf man als Journalist ohnehin nicht sein – ständig beschimpft zu werden, war aber definitiv nicht das Berufsziel.

Redaktionen dürfen sich nicht von Emotionen leiten lassen, auch nicht vom Hass der anderen. Unser Auftrag ist es, Fakten zu sammeln und zu bewerten. Verantwortlich zu prüfen, was an einer Geschichte dran ist. Nicht über jeden hingehaltenen Stock zu springen.

Pressefreiheit, das ist die Freiheit zu berichten oder nicht zu berichten. Wer diese Freiheit bewahren hilft, bewahrt die Demokratie.

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