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Meinungen Frank Behling zur Hafenkooperation
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09:30 19.09.2015
Von Frank Behling

In diesem Sommer zeigte die Rivalität wieder einmal eine ganz besondere Dynamik. Innerhalb kürzester Zeit zeigten gleich drei Reedereien dem Lübecker Hafen ihr Heck und änderten ihren Kurs in Richtung Kiel und Rostock. Zuvor hatte die stolze Hansestadt sich bereits von ihrem Schiffbau verabschieden müssen – während dieses Segment in Kiel heute wieder floriert. Weiteres Ungemach droht durch die Fehmarnbeltquerung, die direkt an Lübecks Lebensader, der Autobahn 1, liegt und die so wichtigen Südschweden-Verkehre beeinflussen wird.

Die Warnsignale lassen sich schon jetzt in der Lübecker Hafenbilanz ablesen: Der Umschlag an der Trave schrumpft seit Jahren. Er lag einmal bei 33 Millionen Tonnen, nähert sich jetzt aber der Marke von 25 Millionen. Kiel hat seinen Umschlag dagegen innerhalb von fünf Jahren verdoppelt. Ist das jetzt die Folge eines unfairen Wettbewerbs und unfairer Förderbedingungen durch das Land? Mit Sicherheit nicht, denn die Fördergelder werden beiden Häfen gleichermaßen angeboten. Lübecks Hafen leidet aber unter hausgemachten Problemen. Der andauernden Tarif-Streit innerhalb der größten Hafengesellschaft LHG ist ein Grund. Der Ausverkauf von Anteilen an Investoren und deren gewinnorientiertes Handeln ein anderer.

Was kann die Landesregierung jetzt tun? Die Bürgermeister an einen Tisch zu holen, war der erste, der genau richtige – und zugleich auch der einzig mögliche Schritt. Denn die Häfen müssen sich letztlich im Wettbewerb behaupten, eine von Ministerien verordnete Zwangs-Kooperation wäre ein Rückfall in die Planwirtschaft.

Wo heute möglich, kooperieren Häfen und Reeder bereits seit einiger Zeit. So wird das Kreuzfahrtschiff „Mein Schiff 5“ im nächsten Jahr für die Taufe in Travemünde in Kiel ausgerüstet. Die Baustoff-Frachter der Firma Mibau werden in Kiel vor dem Anlauf in Lübeck leichter gemacht. Und auch auf Messen weht die Flagge mit dem Lübschen Adler oft wie selbstverständlich neben der mit dem Kieler Nesselblatt.

Eine direkte Kooperation zwischen Kiel und Lübeck ist nicht möglich. Dafür sind beide Häfen zu unterschiedlich aufgestellt. Kiel ist mit seiner stadteigenen Hafengesellschaft frei von äußeren Einflüssen. Lübecks große Hafengesellschaft muss diesen Weg erst noch gehen. Die Stadt Lübeck täte gut daran, die unternehmerische Hoheit über „ihren“ Hafen wieder zurückzuerobern. Der Rückkauf der 37,5 Prozent Anteile vom Investor – Rreef Pan-European Infrastructure – wäre ein Weg. Wichtig ist, dass die LHG sich für die Zukunft neu aufstellt. Und bei diesem Prozess kann das Land fördernd und beratend zur Seite stehen.

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Niemand sollte erwarten, dass sich die Lage für Mieter durch die Mietpreisbremse in Kiel deutlich verbessert. Schon bei der Einführung des Gesetzes, das helfen soll, allzu teure Preise in begehrten Wohnlagen zu deckeln, war klar: Das Instrument wird höchstens kurzfristig und nur eingeschränkt wirken – wegen seiner vielen Ausnahmen.

Martina Drexler 19.09.2015

Die Landesregierung macht in der Flüchtlingspolitik ihre Hausaufgaben. Davon zeugt das neue Personalpaket. Natürlich braucht das Land bei einem anhaltenden Flüchtlingszustrom mehr Lehrer, um die Kinder zu beschulen und so zu integrieren.

Ulf B. Christen 19.09.2015

Die Willkommenskultur in Deutschland ist bemerkenswert, aber mittlerweile spüren wir auch, welche Probleme der Andrang an Flüchtlingen aufwirft. Denn die deutsche Bürokratie hält mit der Zuwanderung nicht mehr Schritt.

18.09.2015
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