Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Meinungen Karen Schwenke zur Angst der Frauen
Mehr Meinungen Karen Schwenke zur Angst der Frauen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:11 07.01.2016
Von Karen Schwenke

Und mit ihnen dürfte diese Vorstellung jetzt 42 Millionen Frauen in Deutschland beunruhigen. Nämlich alle. Schließlich gab es sexuelle Übergriffe dieses Ausmaßes in Deutschland noch nicht. Diese Sorge ist berechtigt. Sie war es aber auch schon vor der Silvesternacht. Denn sexuelle Gewalt ist in Deutschland kein Einzelphänonem. Studien belegen, dass die große Mehrheit der deutschen Frauen sie bereits erlebt hat; und jede siebte Frau wurde in ihrem Leben mindestens einmal vergewaltigt. Das Problem findet in der Öffentlichkeit wenig Gehör. Oft wollen die Opfer auch im Verborgenen bleiben, ihre Scham ist zu groß. Viele trauen sich nicht, über das Erlebte zu sprechen, geschweige denn es zur Anzeige zu bringen.

So tragisch dieser massenhafte Übergriff auf Frauen in deutschen Großstädten war, die positive Folge ist die mediale Aufmerksamkeit. Und damit vielleicht die Chance, dass Frauen mit einem größeren Selbstbewusstsein gegenüber Tätern auftreten können. Es wäre allerdings fatal, in dieser Situation nur mit dem Finger auf die Täter aus der Silvesternacht zu zeigen, junge Migranten. Fälle im öffentlichen Raum sind eine absolute Ausnahme, die meisten Übergriffe erleben deutsche Frauen in ihrem sozialen Umfeld und in privaten Räumen – unabhängig von der Religion und Herkunft des Täters.

Weil aber die Täter von Köln vermutlich aus dem arabischen Raum und Nordafrika stammen, droht jetzt die öffentliche Meinung zum Flüchtlingsthema zu kippen. Als Erklärungsversuch für die Taten wird das Frauenbild im Islam herangezogen, und das ist natürlich Wasser auf die Mühlen der Fremdenfeindlichen. Trotzdem müssen Diskussion und Aufklärung fortgesetzt werden. Nur so bekommen die Täter, die mit ihren sexuellen Übergriffen ihre Macht ausdrücken, einen mächtigen Gegner: die öffentliche Meinung. Die juristische und gesellschaftliche Missbilligung ist aber auch für die Frauen wichtig, damit sie ein Gefühl der Sicherheit zurückgewinnen können. Und natürlich müssen die Täter die Konsequenzen erfahren, die unser Rechtsstaat vorsieht.

Völlig fehl am Platz ist zu diesem Zeitpunkt jedoch die Forderung von Experten nach Kultur- oder Sportangeboten für sexuell unausgelastete junge Migranten. Denn so lässt sich das Frauenbild der Täter nicht ändern. Die grundgesetzkonforme Haltung in Bezug auf Gewaltfreiheit und Gleichberechtigung muss im Alltag vorgelebt und eingefordert werden. Und hier sind als Vorbilder wir alle gefragt – aber vor allem die Männer.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

AC/DC haben ihre „Rock-Or-Bust“-Tour verlängert und geben in diesem Jahr zwei Zusatzshows in Deutschland, eine davon im Hamburger Volkspark-Stadion. Die Kasse soll weiter klingeln, denn schon 2015 hat die australische Rockband im Konzertgeschäft satte 114 Millionen Dollar verdient, geschlagen nur von den irischen Kollegen von U2 (130 Millionen Dollar).

Thomas Bunjes 07.01.2016

Die ungeheuerlichen Ereignisse von Köln haben die Polizei überrascht, das darf als gesichert gelten. Insofern gab es in den vergangenen Tagen viel Verständnis für die Überforderung der Ordnungshüter in den dramatischen Stunden, schließlich hat es ein derart massenhaftes Einkreisen und Bedrängen von weiblichen Opfern in Deutschland zuvor noch nie gegeben.

Christian Longardt 07.01.2016

Nein, Grund zum Jubeln haben rechte Ideologen nicht, wenn sich Schüler im Norden demnächst Hitlers „Mein Kampf“ in voller Länge zu Gemüte führen können.

Jürgen Küppers 07.01.2016
Anzeige