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Meinungen Kristian Blasel zu Flüchtlingen in Kiel
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21:32 27.01.2016
Von Kristian Blasel

Kurzum: Die Stadtspitze setzt auf dosierte Selbstbeweihräucherung und will das Bild vermitteln, an den richtigen Stellen anzupacken.

Verwerflich ist das nicht. Im Gegenteil: Ein bisschen Selbstbeweihräucherung ist durchaus legitim, manchmal sogar wichtig für die Stimmung im eigenen Laden. Die Landeshauptstadt kann tatsächlich stolz darauf sein, wie sie auf den Zustrom der vielen Fremden bislang reagiert hat. Als Hunderte Transitflüchtlinge quasi über Nacht im Hafen ankamen, wurde unbürokratisch Hilfe organisiert. In extrem kurzer Zeit wurden Gemeinschaftsunterkünfte eingerichtet. Die Verwaltung hat mit einem Höchstmaß an individuellem Einsatz die enorme Zusatzbelastung geschultert. Und die Einwohner Kiels sorgen wie in vielen anderen Orten Schleswig-Holsteins bis heute Tag für Tag mit ehrenamtlichen Engagement dafür, dass die Aufnahme der Flüchtlinge menschenwürdig funktioniert. Es ist richtig, all diesen Menschen ein deutliches Lob auszusprechen.

Klar ist inzwischen aber auch: Die vorbildliche Stimmung der ersten Wochen und Monate zählt nichts mehr, wenn der Glaube an ein dauerhaft gutes Miteinander verloren geht. Es genügt ein Blick nach Kiel-Suchsdorf, um zu wissen, dass dies bei vielen Schleswig-Holsteinern inzwischen der Fall ist. Sie verbinden die hohe Zahl an Zuwanderern mit zunehmender Angst – was nach den Vorfällen der vergangenen Wochen mehr als nachvollziehbar ist. Die Stadt kommt, so anstrengend es auch ist, nicht umhin, ihre Unterbringungspläne bis ins Detail mit den Betroffenen zu diskutieren. Wer Stadtrat Gerwin Stöcken vor Ort erlebt hat, weiß aber auch, dass sich die Stadtspitze davor nicht drückt.

Immer deutlicher wird inzwischen, dass der so oft gezogene Vergleich mit den Flüchtlingen nach dem Zweiten Weltkrieg an einer Stelle gewaltig hinkt: Es ist wesentlich einfacher, Menschen aus dem selben Sprachraum und mit ähnlichem religiösen Hintergrund zu integrieren, als es mit Nordafrikanern und Arabern der Fall ist. Versucht werden muss es trotzdem. Weil die humanitäre Verpflichtung zur Aufnahme völlig unabhängig davon besteht, ob eine Integration leichtfällt oder nicht.

Umso wichtiger ist die Forderung des Oberbürgermeisters, zur Not mit Zwang faire Verteilungsquoten durchzusetzen. Auch alle Bemühungen, die Flüchtlinge so schnell wie möglich in den Arbeitsmarkt und in unser Schulsystem zu integrieren, sind unverzichtbar. Gelingen kann das alles nur, wenn die Zahl der Neuankömmlinge nicht völlig ausufert. Aber das wird auf Bundes- und europäischer Ebene entschieden. Die Kommunen können nur reagieren.

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