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Meinungen Eine Ode an die Freude
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21:13 31.01.2016
Von Michael Kluth
Michael Kluth ist Sportschef bei den Kieler Nachrichten. Quelle: KN

Oh, wie ist das schön: Die Stimmung im Land kommt der Euphorie nach dem Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und während des Sommermärchens 2006 nahe. Vergessen die Sorgen, vergessen die Krisen. Das kann nur der Sport. Die Gesellschaft profitiert nicht nur davon, sie kann auch daraus lernen.

Konzentriert arbeiten, immer an sich glauben, den Teamgeist wach halten, mit allem Einsatz für den Erfolg kämpfen: Diese Rezepte sind die Lehren von Melbourne und Krakau. Sie können nachhaltig sein, wenn die Gesellschaft klug genug ist, sie zu übertragen. Leute, nehmt Euch ein Beispiel.

Ein Beispiel an der Handball-Nationalmannschaft. Sie war nach dem Gewinn der Europameisterschaft 2004 und der Weltmeisterschaft 2007 über fast zehn Jahre in der Versenkung verschwunden. Bis der Deutsche Handballbund Fehler benannte, aus ihnen lernte, anpackte, Strukturen veränderte, neue Leute und neue Kräfte mobilisierte. Beherzt den Rückweg an die Weltspitze einschlug. Und das mit einer Mannschaft und einem Trainer, die saucool den Weg, der kein leichter war, gingen. Ja, diese jungen, wilden Handballkerle taugen als Vorbild für die ganze Nation.

Ein Beispiel auch an Angelique Kerber. Nicht wenige hatten die Tennisspielerin aus Kiel schon in die Kategorie „Gut, aber nicht gut genug“ abgeschoben. Angie ackerte beharrlich weiter. Ließ sich nicht beirren, blieb sich treu. Mit dem Coup von Melbourne hat die Sportlerin bewiesen, dass harte Arbeit, Trainingsfleiß, Einsatzbereitschaft, Willenskraft irgendwann belohnt werden. Ja, diese Kielerin taugt als Vorbild für die ganze Nation.

Sportlich sind die Gewinne der Handball-Europameisterschaft und der Australian Open gar nicht hoch genug zu bewerten. Sie bringen den deutschen Handball und das deutsche Tennis schlagartig auf die Weltbühne zurück. Die Handballer sind jetzt für die Olympischen Spiele und die Weltmeisterschaft qualifiziert. Angelique Kerber ist jetzt die Nummer zwei der Weltrangliste, sie hat sich in den Setzlisten der großen Turniere nach oben katapultiert, und die Qualifikation für das Masters, die Tennis-Weltmeisterschaft, hat sie fast schon in der Tasche.

Die Einschaltquoten bei beiden Endspielen sprechen eine deutliche Sprache: Millionen haben mitgefiebert. Die Nation versammelt sich wieder vor dem Fernseher, um ihren Idolen die Daumen zu drücken. Es gibt wieder Themen, über die sich am Arbeitsplatz, an den Stammtischen und in den Familien gutgelaunt zu sprechen lohnt. Das gemeinsame Glück ist zurück.

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