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Meinungen Christian Longardt zu Robert Habeck
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22:21 18.01.2017
Von Christian Longardt

Da kann man schon mal kaputt aussehen.

Doch der Aufwand hat sich gelohnt. Habecks Ergebnis bei der Urwahl ist mehr als respektabel. Es ist sensationell – gemessen an den Wasserstandsmeldungen, die es zuvor gegeben hat. Kopf an Kopf mit Cem Özdemir, dem Trumpf-Ass der Öko-Partei, alle Achtung! Auch wenn wenige Stimmen fehlten zum ganz großen Erfolg: Habeck hat abgeräumt. Er ist der Sieger der Herzen. Quer durch alle Parteien gab es am Mittwoch Glückwünsche. Kein Wunder, könnte man sagen, schließlich wollen in Schleswig-Holstein ja auch alle mit den Grünen koalieren. Gratuliert aber haben von Albig bis Kubicki sämtliche Parteigranden, weil Habeck tatsächlich ein ganz besonderer Politiker ist; allseits respektiert, geschätzt, ja gemocht.

Habeck, das Ausnahme-Talent. Der Mann kommt grundehrlich 'rüber, sympathisch und authentisch. Da wird sogar schnell verziehen, wenn er seine Emotionen mal nicht im Griff hat. Legendär sein Geschrei in Richtung Studenten, die vor dem Landeshaus demonstrierten. So gar nicht ministrabel. Doch auch das ist typisch Habeck: Er hat sich prompt entschuldigt. Unvergessen grimmig auch seine Miene, als ihm beim Green Screen Festival in Eckernförde die kritische Tonlage der Gastgeber nicht passte – unsouverän, eitel, unwirsch, auch das kann er.

Habeck, das Naturereignis. Sensibel und smart, eloquent und intelligent – mit diesen Qualitäten hat er nun auch bundesweit überzeugt. Trotz langer Tage und hoher Verantwortung hat sich der Flensburger seine Frische, seine Unmittelbarkeit bewahrt. Seine Leidenschaft, die sich so wohltuend von all dem Kalkulierten, Berechnenden in der Politik abhebt, dass mancher in den eigenen Reihen lästert, da sei sicher auch eine Menge Berechnung im Spiel. Das stimmt schon: Wenn Habeck „Rock on“ twittert, dann pflegt er ganz bewusst sein Image als „der etwas andere Grüne“, wie ihn der „Rolling Stone“ nannte.

Er habe mit der Kandidatur gegen die Grünen-Prominenz alles auf eine Karte gesetzt, ohne Absicherung und Rückfahrticket, hieß es mit Hochachtung überall in Deutschland. Was sich so mutig anhört, war doch in Wahrheit ein gutes Stück Koketterie. Nach Lage der Dinge wird in Schleswig-Holstein im Mai keine Regierung ohne die Grünen gebildet. Und natürlich wäre die Partei mit dem Klammerbeutel gepudert, würde sie ihren besten Mann nicht wieder ins Kabinett schicken. Oder zu schicken versuchen. Denn mit dieser Urwahl hat Habeck die ganz große Bühne erobert. Er könnte nun Bundesvorsitzender werden. Oder Bundesminister. Für Rockstar Habeck ist jetzt alles möglich.

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