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Meinungen Ein schwerer Verdacht
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07:00 17.07.2017
Von Christian Longardt
 Christian Longardt. Quelle: Ulf Dahl

Das schien uns doch unrealistisch – obwohl die Recherche in der Rocker-Affäre gezeigt hatte, dass es Dinge gibt, die kaum zu glauben sind.

Etwa die mehrfach bestätigte Geschichte eines Soko-Ermittlers, der mit dem Auto zu heftig über den Bordstein fuhr und auf seiner Grundstückseinfahrt einen abgefallenen Peilsender entdeckte. Man hatte ihn (zu Unrecht) verdächtigt, Rocker mit Informationen zu beliefern. Oder das bittere Erlebnis einer Soko-Kollegin, die in einer Besprechung plötzlich Details über ihr Privatleben hörte, die sie nur am Telefon preisgegeben hatte – auch sie habe man abgehört, hieß es später von verdeckten Ermittlern.

Vor diesem Hintergrund fanden wir die Idee unseres Chefs gut. Denn die Hinweise auf eine Überwachung kamen aus eben jenen Quellen, deren Angaben sich in den vergangenen Wochen als absolut verlässlich erwiesen hatten. Jenen Quellen, die uns auch sagten, wenn wir bei der Recherche mal auf dem falschen Weg waren. Mit denen Treffen nur unter abenteuerlichen Bedingungen möglich waren, weil die Beamten nicht nur fürchten, dass man ihnen folgen und sie des Geheimnisverrats bezichtigen könnte. Sondern weil sie eben davon ausgehen, dass auch wir beobachtet werden. Ortungsdienste am Handy deaktivieren oder das Smartphone zu Hause lassen, riet man uns.

Wenn wir also jetzt über eine mögliche Überwachung der Kieler Nachrichten reden, die sich auch auf den Zugriff auf einen privaten Reporter-PC bezieht, dann geschieht dies nicht ohne Grund. Ein Peilsender an einem Journalisten-Auto, das ist ein schlimmer Verdacht, der automatisch auf die Polizeiführung fällt und das Vertrauen in sie weiter beschädigt, das ist wahr. Zugleich aber geht es um den begründeten Verdacht eines schwerwiegenden Eingriffs in die Pressefreiheit, und wir erwarten, dass diesem Verdacht ernsthaft nachgegangen wird. „Schwachsinn“, das ist als Antwort deutlich zu wenig.

Es hat Zeit gebraucht, um uns hinreichend abzusichern. Wir durften aber auch annehmen, dass sich die Staatsanwaltschaft Lübeck zeitnah bei uns meldet – schließlich sollte sie doch seit Mitte Juni prüfen, ob der von uns ans Innenministerium geschickte Fragenkatalog strafrechtlich relevante Aspekte enthält. Erst als wir der Lübecker Behörde mitteilten, dass wir unsere Erkenntnisse nun veröffentlichen, kam am Freitag die Antwort, man werde in Kürze an uns herantreten. „Strafprozessuale Maßnahmen“ gegen unseren Polizeireporter würden aber „seitens der Staatsanwaltschaft nicht veranlasst“.

Das wäre auch aberwitzig. Er hatte nur Fragen gestellt. Das ist Aufgabe der Presse.

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