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Meinungen Gerhard Müller zu sportlichen Großprojekten
Mehr Meinungen Gerhard Müller zu sportlichen Großprojekten
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21:46 30.11.2015
Von Gerhard Müller

Flughafen Berlin-Brandenburg? Eine unendliche Geschichte von Pleiten, Pech und Pannen. Stuttgart 21? Die ursprünglich geplanten Kosten für den tiefer gelegten Bahnhof von knapp 2,5 Milliarden Euro haben sich schon mehr als verdoppelt. Richtig unterirdisch wird’s jedoch bei der Elbphilharmonie. Mit 77 Millionen Euro war der Musiktempel veranschlagt, mittlerweile sind es rund 790 Millionen. Ähnlich galoppierte der Einweihungstermin davon: Statt 2010 soll der Weltklasse-Konzertsaal, so bescheiden steht es auf der Homepage, nun am 11. oder 12. Januar 2017 seine Premiere feiern. Nun gut, auf den einen Tag kommt es auch nicht mehr an.

Diese drei Klassiker deutscher Fehlplanung kommen nicht nur den Steuerzahler teuer zu stehen, sie haben einen unschönen Effekt, der gar nicht in Euro zu bemessen ist: Parallel zur Kostenexplosion implodierte das Vertrauen der Bürger in die Politik und die politischen Institutionen. Das allerdings ist kein deutsches Phänomen. Eine Umfrage in sechs europäischen Staaten ergab zu Beginn dieses Jahres, dass nur Minderheiten zwischen elf Prozent (Italien) und 23 Prozent (Frankreich) meinen, der Euro bringe Vorteile. Die EU-Skepsis vieler Menschen dürfte sich mit dem Strom der Flüchtlinge verstärkt haben, zweifellos nicht nur bei Pegida-Sympathisanten oder AfD-Anhängern. Der Glaube an die Wir-schaffen-das-Kanzlerin ist selbst in der CDU erschüttert.

Für das Scheitern der olympischen Idee in Hamburg mögen verschiedene Faktoren verantwortlich sein. Hohe Kosten, Flüchtlings-Problematik, korrupte Fußball-Funktionäre, Misstrauen gegenüber dem Internationalen Olympischen Komitee, dem ja auch schon Bayern und Norweger für Winterspiele die kalte Schulter zeigten. Vor allem aber ist die Entscheidung an der Elbe – und gerade dort – ein Indiz dafür, was die Bürger ihrer politischen Führung zutrauen. Offensichtlich nicht viel. Der Senat und seine olympischen Vorturner Olaf Scholz und Michael Neumann mühten sich in den vergangenen Wochen redlich, das Projekt 2024 als wohlkalkulierten Gegenentwurf zur Elbphilharmonie darzustellen. Vergeblich.

Nun kann man in einer parlamentarischen Demokratie darüber streiten, ob das Volk in diesen Fällen überhaupt befragt werden sollte. Politiker werden schließlich gewählt, um solche Entscheidungen zu treffen. Dennoch, Bürgerbegehren oder Volksentscheide sollten in jeder gut funktionierenden Demokratie fest verankert sein. Zum Problem für die Regierenden werden die Regierten ohnehin nur, wenn die Politik sich zu weit vom Volk entfernt hat. Das empfinden an der Elbe nicht nur Linke und Alternative, sondern Tausende gut informierte Bildungsbürger so. Menschen, auf die ein Satz des großen Hamburgers Helmut Schmidt nicht zutrifft: Sie bestreiten alles, nur nicht ihren Lebensunterhalt.

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Ein wunderbarer Slogan: Wir sind Kiel! Der Handball-Rekordmeister grenzt sich mit seiner aktuellen Kampagne nicht ab. Nein, auch die Fans gehören ins mannschaftliche Erfolgssystem. Der THW ist Kiel, Kiel ist der THW. Ein THW, der auch in den kommenden Jahren auf höchstem Niveau konkurrenzfähig sein soll.

Tamo Schwarz 30.11.2015

Dabei sein ist alles bei den Olympischen Spielen. Oder wie es Pierre de Coubertin formulierte: Ziel sei nicht der Sieg, sondern die Teilnahme. Nach einem für die Olympia-Fans grausamen Wahlabend steht fest: Kiel wird nicht dabei sein, weil Hamburg nicht dabei sein will. Das Rennen um die Spiele 2024 ist jäh beendet, noch bevor es überhaupt richtig begonnen hat.

Bodo Stade 29.11.2015

Man muss schon weit zurückblättern in der Chronik der Landeshauptstadt, um eine Abstimmung zu finden, die republikweit ähnlich große Bedeutung hatte wie der Bürgerentscheid am Sonntag. Ja oder nein, alles oder nichts – am Sonntag ist Showdown.

Christian Longardt 28.11.2015
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