Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Meinungen Ohne Stegner wird die SPD eine andere
Mehr Meinungen Ohne Stegner wird die SPD eine andere
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:07 03.09.2018
Von Ulf B. Christen
Ulf B. Christen kommentiert den Verzicht von Ralf Stegner. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Für Stegner selbst war die Pressekonferenz gestern eine bittere Stunde. Der Obergenosse, der gern alle Fäden in der Hand hält, musste früher als geplant seinen Rückzug vom Landesvorsitz bekannt geben. Verantwortlich dafür war ausgerechnet seine designierte Nachfolgerin Serpil Midyatli. Sie war mit ihrer Kandidatur vorgeprescht und hatte damit immer neue Spekulationen über die Zukunft des "großen Vorsitzenden" ausgelöst. So blieb dem Polit-Strategen nur die Vorwärtsverteidigung.

Wer Stegner kennt, der weiß, wie schwer ihm dieser Schritt gefallen ist. Der Landesvorsitz ist für den promovierten Politologen nicht nur eine Herzenssache, sondern immer auch eine Möglichkeit, die Nord-SPD nach seinen Vorstellungen programmatisch und personell auszurichten. Stegner nutzte das in den vergangenen zwölf Jahren weidlich, beförderte ihm genehme Nachwuchspolitiker wie auch Midyatli über die Landesliste in den Landtag und strafte parteiinterne Gegner ab.

Diese Personalpolitik ist ein Grund dafür, dass der rote Kapitän die Meutereien nach fast jeder Wahlschlappe auf Bundes-, Landes- oder Kommunalebene aussitzen konnte. Der andere Grund liegt in der Persönlichkeit Stegners. Kein anderer Spitzenpolitiker in Schleswig-Holstein ist vom politischen Gegner und auch den Medien so häufig und so hart angegriffen oder sogar angefeindet worden. Stegner traf das sehr wohl. Nach außen gab sich der Harvard-Absolvent aber völlig schmerzfrei.

Auch gestern gestattete sich Stegner nur einen Hauch von Wehmut. Um dann immer wieder klarzustellen, dass er längst noch keine "lame duck" sei, Fraktionschef im Landtag und Vize-SPD-Bundesvorsitzender bleiben wolle. Für die SPD hat gleichwohl die Zukunft begonnen. Mit Midyatli bekommen die Genossen eine Vorzeigefrau, die freundlich, fröhlich sowie empathisch wirkt und damit einen Kontrapunkt zu Stegner setzt.

Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) und seine Jamaika-Koalition müssen sich also wärmer anziehen. In dem Machtwechsel an der SPD-Spitze liegt für die Regierungsparteien aber auch eine Chance. Midyatli ist längst noch nicht auf allen Politikfeldern zu Hause und im Gegensatz zum Kopf-Linken Stegner eine Herz-Politikerin. Entsprechend spannend dürfte deshalb die Debatte über die SPD-Spitzenkandidatur zur Landtagswahl 2022 werden. Stegner ist raus, Midyatli hätte als Landesvorsitzende den ersten Zugriff, aber wohl nicht die besten Chancen. Denn Wahlen in Schleswig-Holstein kann die SPD nur in der Mitte gewinnen.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Schleswig-Holstein ist gar nicht so schlecht dabei: Bislang sind 35 Prozent der Haushalte im Land ans Glasfasernetz angeschlossen, 2022 sollen es laut Wirtschaftsministerium 62 Prozent sein. Dafür stehen Fördermittel von 50 Millionen Euro bereit.

Thorsten Geil 03.09.2018

Ey, Wernääää, tut das Not? Dass Brösel und Holgi im Opa-Alter nach 30 Jahren noch mal eine Wette einlösen, die damals schon Männerquatsch vom Biertisch war? Und dann noch mal so ein Gewese drum machen, mit Riesenbohei, Rockbands, Camping für Zehntausende und jede Menge Bölkstoff?

Stephan Ures 03.09.2018

Nicht nur auf den Straßen wurde in den vergangenen Jahren zu wenig investiert. Wer zwischen Nord- und Ostsee mit dem Chor verreist oder den Jungs und Mädels vom Sportverein, begibt sich oft auf Zeitreise in die 1990er-Jahre – sofern er sich in einer Jugendherberge einmietet.

Christian Hiersemenzel 03.09.2018