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Martina Drexler zum Kieler Matrosenaufstand

Kommentar Martina Drexler zum Kieler Matrosenaufstand

Ältere Kieler werden sich vielleicht noch erinnern: Als Anfang der 80er Jahre Hans-Jürgen Breustes Revolutionsdenkmal „Wik“ im Ratsdienergarten aufgestellt wurde, blieben viele Ratsmitglieder fern, weil sie darin eine Ehrung von Meuterern sahen. Es war das letzte Mal, dass die Revolution öffentlich in Kiel Schlagzeilen machte.

Ein historisch nachgestellter Demonstrationszug auf dem „Kieler Weg zur Demokratie“ weckte dagegen 2009 kaum Aufmerksamkeit. Der Matrosenaufstand, der vor fast 100 Jahren ein wichtiges Kapitel deutscher Geschichte schrieb, scheint in Kiel fast vergessen. Ihn endlich in einer würdigen Form zurück ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, das Thema differenziert aufzuarbeiten und dabei noch ein neues Lebensgefühl als Stadt der Demokratie entwickeln zu wollen – das Ziel der Stadt scheint mehr als hoch gegriffen.

Und trotzdem könnte es ihr und ihren Partnern mit ihrem vielfältigen Jubiläumsprogramm gelingen, das Verständnis für die Ereignisse von damals, als die Kieler Bevölkerung große Not litt, auch bei nachwachsenden Generationen zu wecken. Denn zum Glück wollen die Organisatoren nicht im rein historischen Rückblick verharren, sondern immer wieder Bezüge zur Gegenwart herstellen.

Eine spannende Form der Annäherung und eine sehr aktuelle angesichts vieler Krisen: Für welche Werte lohnt es sich heute aufzustehen und zu kämpfen? Diese Frage stellen sich viele, auch in Kiel. Das Programm bietet Gelegenheiten, darüber nachzudenken, zu diskutieren, aber auch zu feiern.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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