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Oliver Hamel zum Klimaschutz

Kommentar Oliver Hamel zum Klimaschutz

Uns geht es wohl zu gut. Wie sonst ist zu erklären, warum sich in den Industrienationen immer mehr Menschen – mit ihrer Wählerstimme – zu einer Vorwärts-Verteidigung ihres Wohlstands genötigt sehen? Bewahren durch Abschotten heißt die oberste Direktive.

Deshalb bewegt die Massen laut Umfragen zuvorderst das „ungelöste Flüchtlingsproblem“ – nicht drohende Klimakatastrophen, obwohl alle 7,5 Milliarden Menschen dieser Welt davon betroffen sind.

Immer lauter werden seriöse Klimaforscher von Populisten, Lobbyisten und Wutbürgern als Ideologen diffamiert. Es trifft ins Mark, verfolgen zu müssen, wie die immer eindringlicheren Warnungen Abertausender Wissenschaftler vor den beängstigenden Dimensionen des Klimawandels mit pseudopräsidialen Twitter-Tweets als „Erfindung“ weggefegt werden. Der US-Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen zeigt beispielhaft, wie leicht sich mühsam errungene Fortschritte mit einer Unterschrift zertreten lassen.

Trotz rekordbrechender Wetter-Extreme in diesem Jahr wird keine politische Führung einer Industrienation das Risiko restriktiven Umsteuerns eingehen, solange die Wählermehrheit dies nicht von ihr verlangt. Und trotz unserer ausufernden Öko-Bilanz wird es keine Regierung wagen, uns für den maßlosen Naturverbrauch zur Rechenschaft zu ziehen. So muss sich jeder Einzelne fragen, ob er sein Handeln gegen seine Wünsche ändern will – oder ob er sagt: „Nach mir die Sintflut.“

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Ein Artikel von
Oliver Hamel
Wirtschaftsredaktion

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