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Meinungen Stefan Koch zum Kundus
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09:41 30.09.2015
Von Stefan Koch

Kundus hat sich tief in das Gedächtnis der deutschen Politik eingegraben: In dieser Region kamen die meisten Angehörigen der Bundeswehr ums Leben, dort erteilte ein deutscher Offizier den Befehl, Tanklastzüge zu bombardieren. Und in dieser Stadt gab der damalige Außenminister Guido Westerwelle das Versprechen, dass Deutschland die Menschen nach dem Abzug der Soldaten nicht vergessen werde. Alles vergebens?

Der Fall von Kundus stärkt die Taliban. Dass die Freischärler ausgerechnet eine Stadt ins Visier nehmen, deren Name im Westen einen gewissen Klang besitzt, sollte nicht erstaunen: Die radikalen Kämpfer mögen abgeschieden am Hindukusch leben, aber sie wissen um die Symbolkraft ihres Sieges. Ob das Kalkül der Gotteskrieger aufgeht, ist aber keineswegs sicher. Die Europäer sind keine unbeteiligten Zuschauer: Die Flüchtlingskrise erzwingt einen tieferen Blick auf das Geschehen. Es hilft eben nicht, sich nur enttäuscht abzuwenden. Peter Strucks These, wonach Deutschlands Sicherheit auch am Hindukusch verteidigt wird, erscheint heute einleuchtender denn je.

Mit Blick auf Kundus bedeutet das: Abzugsdebatten dürfen nicht allein mit innenpolitischem Kalkül geführt werden. Vielmehr sollte Berlin im Zweifelsfall gegensteuern. Kundus mag für die Deutschen ein symbolträchtiger Ort sein, er ist aber nicht gleichzusetzen mit dem gesamten Land. So hat sich der Zustand der Sicherheitskräfte spürbar verbessert, auch wenn sie noch nicht vollends die Kontrolle in ihrer Heimat ausüben.

Angesichts der Instabilität im gesamten Nahen und Mittleren Osten kommt es auf eine geschlossene Haltung der internationalen Gemeinschaft an. Dass die Lage nicht ganz so vertrackt ist, wie die Bilder aus Kundus vermuten lassen, zeigt ein Blick in die andere Himmelsrichtung: Die Vereinten Nationen senden in dieser Woche hoffnungsvolle Signale aus New York. Es ist wichtig, dass ihre Unterstützung für Afghanistan weiterhin anhält.

Eine besondere Rolle bei der Krisenbewältigung spielen Amerika und Russland. Der Zustand ihrer bilateralen Beziehung ist immer auch ein Gradmesser für die weltweiten Problemzonen. Einmal mehr zeigt sich, wie sehr sich ihre fast zweijährige Eiszeit auf die Konflikte am Hindukusch, in Syrien und in der Ukraine auswirkt. Dass Barack Obama und Wladimir Putin wieder ins Gespräch kommen, ist ermutigend. Endlich kehrt das pragmatische Miteinander zurück. Im Vergleich zu den neunziger Jahren ist das zwar nicht viel, aber es reicht, um auf Notlagen wie in Kundus zu reagieren.

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