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Ulrich Metschies zu den Schifffahrtsmärkten

Kommentar Ulrich Metschies zu den Schifffahrtsmärkten

Hat das, was wir auf den Schifffahrtsmärkten erleben dürfen, die Bezeichnung „Erholung“ verdient? Ja – wenn man es Erholung nennt, sobald ein Koma-Patient wieder ein bisschen sprechen kann. Wie oft schon haben Experten die Prognose gewagt, „in ein, zwei Jahren“ sei ein Ende der Krise in Sicht, und stets zeigte sich eine brutal andere Realität.

Und diesmal? Bei aller Vorsicht: Selten in dieser Krise waren die Chancen für eine Erholung so günstig wie im Spätsommer 2017: Das Transportvolumen für Massengut- und Containerschiffe zieht an – sowohl auf der so wichtigen Asien-Europa-Route wie auch im Transpazifik-Verkehr. Verschrottungen laufen weiter auf Hochtouren, die Zahl von Neubestellungen sinkt. Die Folge: Drückende Überkapazitäten schmelzen langsam ab, immer weniger Schiffe sind arbeitslos, und behutsam lassen Charterraten und Preise für gebrauchte Schiffe ihre historischen Tiefstände hinter sich.

Sicher: Nicht alle Marktsegmente profitieren von der Entwicklung, Tanker etwa stecken weiter in der Flaute fest. Dennoch ist Hoffnung berechtigt. Hoffnung, dass immer mehr Schiffe nicht nur ihre Betriebskosten einfahren, sondern auch die Zinsen für ihre Kredite. Damit wird die von der HSH finanzierte Flotte nicht über Nacht zum wertvollen Schatz. Doch ein Markt, der sich in diese Richtung bewegt, verbessert die Chance, den Schaden des Desasters für die Länder zu begrenzen. Kein Grund zum Jubeln – doch allemal besser als eine Flaute ohne Ende.

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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