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Ulrich Metschies zur HSH-Nordbank

Kommentar Ulrich Metschies zur HSH-Nordbank

Einem gemeinen Gerücht zufolge war es in Hamburg bis 2008 kaum möglich, eine Kneipe zu besuchen, ohne von der HSH Nordbank eine Schiffsfinanzierung angedreht zu bekommen. Das ist arg übertrieben – im Kern aber wahr.

Über Jahre lief das Schiffsgeschäft – übrigens nicht nur bei dieser Bank – getreu dem Spruch an der Fleischertheke: „Darf’s etwas mehr sein?“

 Die Folgen sind bekannt: Milliarden-Verluste für die Bank, für die Steuerzahler und für Anleger, die Geld in hochriskante Schiffsfonds investierten, weil erst Steuervorteile lockten, dann traumhafte Renditen. Der extrem volatile Markt schien nur noch eine Richtung zu kennen: aufwärts. Die perfekte Welle. Eine Lizenz zum Gelddrucken. Schön dumm, wer da nicht mitverdiente. Doch dann brach der Markt zusammen. So wie Märkte eben zusammenbrechen, wenn Übertreibungen zu lange ohne Korrektiv bleiben.

 Mit beachtlichem Erfolg hat sich die HSH Nordbank über Jahre zurück ins Leben gerobbt – allerdings auf Kosten von fast 3000 Arbeitsplätzen und mit Milliardenhilfen ihrer staatlichen Eigentümer. Da stellt sich die Frage – wenn denn der Verkauf gelingt: Kann sich so ein Desaster wiederholen? „Wir haben unsere Lektion gelernt“, versichert der Chef der HSH-Schiffsfinanzierung. Mag sein. Doch Lektionen – gerade auf den Finanzmärkten – sind schnell vergessen, wenn die nächste perfekte Welle rollt, den Verstand fort- und die Gier nach oben spült. Bericht Seite 7

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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