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Ulrich Metschies zur Lage der Wirtschaft

Kommentar Ulrich Metschies zur Lage der Wirtschaft

Die Konjunktur in Deutschland gewinnt immer mehr an Fahrt, die Arbeitslosigkeit geht kontinuierlich zurück, und auch im Euroraum zeichnet sich nach Jahren der Wachstumsschwäche endlich eine nachhaltige Erholung ab, die es der Europäischen Zentralbank ermöglicht, langsam den geldpolitischen Krisenmodus zu verlassen. Wer angesichts einer solchen Entwicklung zur Vorsicht mahnt, der muss schon Schwarzseher sein, oder?

Nein, die Ökonomen am Kieler Institut für Weltwirtschaft lassen sich nicht in diese Schublade stecken. Ihre Warnung vor einer massiven Überhitzung der deutschen Wirtschaft und dem wachsenden Risiko eines konjunkturellen Rückschlags ist absolut ernst zu nehmen. Platt gesagt: Unsere Wirtschaft gleicht derzeit einem Automotor, der voll im roten Bereich dreht, ohne dass der Fahrer die Möglichkeit hätte, einen Gang höher zu schalten.

Das muss nicht bedeuten, dass dieser Motor uns demnächst um die Ohren fliegt. Wenn alle Akteure besonnen handeln, haben wir gute Chancen, einen Kolbenfresser zu verhindern. Doch das ist nicht leicht, bei einem Zinsniveau, das Konsumenten, Betriebe und Anleger geradezu anstachelt, ihr Geld mit vollen Händen auszugeben. Nur wenn die schleichende Enteignung von Sparern ein Ende nimmt, wenn also die Zinsen langsam wieder anziehen, ist eine sanftes Bremsmanöver möglich. Auf dieses Szenario sollten sich nicht nur Betriebe und Verbraucher vorbereiten, sondern vor allem die gigantisch verschuldete öffentliche Hand.

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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