Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Hamburg 80 Millionen Köpfe werden geerntet
Nachrichten Hamburg 80 Millionen Köpfe werden geerntet
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:04 18.09.2012
Robert Habeck (Bündnis90/Die Grünen), Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Schleswig-Holsteins, sticht in Zennhusen einen Kohlkopf und eröffnet damit die 26. Dithmarscher Kohltage, die noch bis zum 28. September andauern. Quelle: dpa

Bei Sonnenschein und mit dem traditionellen Kohlanschnitt hat Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) am Dienstag in Zennhusen bei Heide die 26. Dithmarscher Kohltage eröffnet. Damit startet offiziell die Kohlernte 2012. Sechs Tage lang wird in Europas größtem geschlossenen Kohlanbaugebiet mit einem bunten Programm der Kohl gefeiert.

Die 220 Kohlbauern der Region wollen bis in den November hinein rund 80 Millionen Weiß-, Rot- und Blumenkohlköpfe ernten. Damit bewegt sich die Erntemenge auf Durchschnittsniveau. Da die Bauern für ihre Ware aber etwas mehr bezahlt bekommen als 2011, können sie nach Angaben der Landwirtschaftskammer in diesem Jahr kostendeckend arbeiten.

Robert Habeck (Bündnis90/Die Grünen), Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Schleswig-Holsteins, sticht in Zennhusen einen Kohlkopf und eröffnet damit die 26. Dithmarscher Kohltage, die noch bis zum 28. September andauern.

Von den 600 000 Tonnen in Deutschland angebautem Kohl stammt fast ein Drittel aus Dithmarschen. Zwischen Hamburg und Sylt wächst auf 3000 Hektar Acker Jahr für Jahr für jeden Deutschen ein Kohlkopf, sagte Kreissprecher Bernhard von Oberg. Die fruchtbaren Marschböden sowie ausreichende Regenmengen an Schleswig-Holsteins Nordseeküste seien ideal für den Anbau des als gesund geltenden Gemüses.

Lediglich ein kleiner Teil der Dithmarscher Kohlernte landet frisch vom Feld in schleswig-holsteinischen Kochtöpfen. Der Großteil wird europaweit an Industrie und Großküchen vermarktet. Dafür wird die Ernte zunächst eingelagert. Die Kühllager im Kreis Dithmarschen fassen 125 000 Tonnen Kohl. Dort bleibt das Gemüse bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und einer Luftfeuchtigkeit von annähernd 100 Prozent bis in den nächsten Sommer frisch. Bevor der Kohl in den Handel kommt, wird jeder einzelne Kopf noch einmal von Hand geputzt und zum Teil zusätzlich in Frischhaltefolie verpackt.

Die Wiege des Dithmarscher Kohlanbaus stand in Wesselburen. Dort begann der Gärtner Eduard Laß 1889 mit Anbau und Vermarktung von „Industriekohl“ für Salatfabriken, schilderte Kreissprecher von Oberg. Seit diesem Sommer erinnert dort ein Ehrenmal an den „Vater“ des Dithmarscher Kohlanbaus.

In Deutschland ist der Weißkohl mit einer Jahresernte von rund 350 000 Tonnen die meistgegessene Sorte. Drei Viertel der Ernte wird zu Sauerkraut verarbeitet. Doch die Deutschen sind nicht die einzigen Sauerkraut-Genießer. So schätzen die Gourmets in Frankreich das „Choucroute Alsacienne“ — ein Elsässisches Sauerkraut aus Weißkohl und Apfel. In Asien heißt das Sauerkraut „Kim Chi“ und wird aus Japan- oder Chinakohl zubereitet, gewürzt mit Zwiebeln, Chili, Knoblauch oder Ingwer. Und in Ost- und Mitteleuropa — dem sogenannten Borschtsch-Gürtel von Polen über die Ukraine und Weißrussland bis in das Wolga-Don-Gebiet — ist Sauerkraut oder Weißkohl neben Rüben und roter Beete Hauptbestandteil der „Borschtsch“ genannten roten Suppen-Rezepte.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige