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Hamburg Abschied liegt in der Luft
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16:27 11.02.2018
Olaf Scholz (SPD, links) winkt während des Neujahrsempfangs der SPD-Bürgerschaftsfraktion Hamburg im Rathaus neben Lars Klingbeil, SPD-Generalsekretär und Andreas Dressel, SPD-Bürgerschaftsfraktionsvorsitzender. Quelle: Daniel Bockwoldt/dpa
Hamburg

Plötzlich wird Olaf Scholz melancholisch. Mitten in seiner Rede, in der Hamburgs Bürgermeister die Erfolge seiner bisherigen Amtszeit auflistet, hält er inne, den Blick auf die riesigen Wandgemälde gerichtet, die im Festsaal des Rathauses die Geschichte Hamburgs erzählen. "Was wird wohl sein, wenn in drei Wochen die Mitglieder der SPD entschieden haben?", fragt Scholz in den Saal hinein. Wohl wissend, dass viele der rund 1100 Zuhörer darauf genau von ihm gerne eine Antwort hören würden.

Doch konkreter kann oder will Scholz auch am Sonntag beim Neujahrsempfang der SPD-Bürgerschaftsfraktion nicht werden. Noch nicht. Erst wenn die SPD-Mitglieder eine Entscheidung über eine Neuauflage der Koalition mit der Union getroffen haben, werde die Parteiführung über die Ressortbesetzung entscheiden, sagt Scholz. Und obwohl er – wie sich wahrscheinlich jeder vorstellen könne - unglaublich viel zu sagen habe, werde er das dann erst machen.

Stellungsnahme: frühestens am 4. März

Es bleibt also dabei: Frühestens am 4. März will der 59-Jährige klar dazu Stellung beziehen, ob er als Finanzminister und Vizekanzler nach Berlin wechseln wird. Es gelte sich jetzt auf die Sache zu konzentrieren, "obwohl wir doch so gerne über Personen diskutieren würden, auch über eine, die hier steht", sagt Scholz. Ob er damit sich selbst oder den neben ihm stehenden SPD-Fraktionschef Andreas Dressel, den Favoriten auf seine Nachfolge, meint, sagt er nicht.

Ein Hauch von Abschied liegt bei dem Empfang aber in der Luft. Das ist quasi für jeden spürbar. Und Scholz gibt zu, es sei eine Phase, "in der man sich ein wenig melancholisch umgucke". Die Aufgabe als Bürgermeister dieser Stadt mache er "sehr, sehr, sehr gerne", betont Scholz: "Ich glaube, jeder spürt es: Das ist etwas, wofür ich brenne, das mir wichtig ist, jeden Tag der Woche, immer wieder."

Und das kommt an. Viele Gäste wollen ein Selfie mit Scholz, der nach seiner Rede geduldig durch die Reihen schreitet, viele Hände schüttelt, sich Zeit nimmt. Denn bald ist er nach sieben Jahren auf dem Chefsessel im Rathaus wohl weg. Zumindest dann, wenn die SPD-Basis Ja zum Koalitionsvertrag mit der Union sagt. Da passt es gut, dass die Parteispitze ihre Werbetour für die sogenannte GroKo am kommenden Samstag in Hamburg startet - mit Scholz natürlich.

Werben für die GroKo

Auch andere prominente Hamburger Sozialdemokraten wollen bis zum 2. März für eine Neuauflage von Schwarz-Rot im Bund trommeln. Der Koalitionsvertrag trage eine klare sozialdemokratische Handschrift, sagt Dressel und führt etwa Verbesserungen beim Kita-Ausbau oder beim Schulbau an. Und auch er will nicht sagen, ob es ihn im Falle eines Weggangs von Scholz von der Fraktions- an die Senatsspitze zieht. Es gehe jetzt um Inhalte, nicht um Personalspekulationen, sagt Dressel.

In dieser Frage weiß er sich mit der Bundestagsabgeordneten Aydan Özoguz einig, die selbst als mögliche Scholz-Nachfolgerin genannt wird. "Wir wollen, dass Deutschland gut regiert wird. Und danach werden wir schauen, ob sich überhaupt Konsequenzen für Hamburg ergeben", sagt die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, ohne konkreter auf die Frage nach möglichen eigenen Ambitionen einzugehen: "Ich warte erst mal ab, zu welchem Punkt es kommt."

Von dpa

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