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Hamburg „Köthi“ geht wieder auf Sendung
Nachrichten Hamburg „Köthi“ geht wieder auf Sendung
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07:00 07.07.2014
Von Bastian Modrow
Carsten Köthe hat früh seine Krebs-Erkrankung öffentlich gemacht. Seine Therapie schlägt an, daher kann er im August ins RSH-Studio zurückkehren. Allerdings wird er nicht mehr die Morgensendung moderieren. Quelle: Frank Peter
Kiel

Erleichterung im Funkhaus in Kiel-Wittland und eine Riesenfreude für zehntausende Hörer im Norden: RSH-Moderator Carsten Köthe meldet sich zurück. Seit mehr als 25 Jahren ist er die Morgenstimme des Privatsenders. Sein schwerer Schicksalsschlag, vor allem aber der offen Umgang mit der unheilbaren Krankheit bewegt die Menschen seit Monaten. Anfang des Jahres hatte sich „Köthi“ von den Hörern verabschiedet und versprochen, nach der Behandlung spätestens im Sommer wieder ins Studio zurückzukehren. „Joah, und jetzt ist es soweit“, sagt er.

 Bereits seit ein paar Tagen ist er wieder im Sender. Anfangs nur ein paar Stunden – „ich muss ja erst langsam wieder reinkommen“, berichtet der RSH-Moderator. Die letzte Chemotherapie habe er kurz nach Pfingsten gehabt. „Jetzt sind die letzten Nachwehen überstanden. Vor mir liegen noch ein paar Untersuchungen und dann kann es ab August wieder losgehen“, sagt Köthe.

 Doch: Er soll es ruhig angehen lassen. „Ich darf mich noch nicht zu sehr unter Druck setzen, obwohl es mir schon wieder ganz gut geht.“ Die Mediziner seien zufrieden mit ihm, die Therapie habe angeschlagen, die Lymphknoten seien kleiner und weniger geworden. „Ich weiß, dass der Mist irgendwann wiederkommen wird, aber ich habe die große Hoffnung, dass der medizinische Fortschritt in fünf Jahren noch einmal deutlich weiter gekommen sein wird“, sagt der gebürtige Ratzeburger.

 Viel habe er nachgedacht in den vergangenen Monaten. Die Frage, weshalb es ausgerechnet ihn getroffen habe, spielte allerdings keine Rolle. Aus gutem Grund: „Eine ganz liebe Freundin von mir, die an Leukämie litt und mittlerweile verstorben ist, sagte mir einmal, dass man sich diese Frage nicht stellen dürfe, da sie zu viel Kraft kosten würde. Viel wichtiger sei die Frage, wie man es schafft, so schnell es geht wieder gesund zu werden.“ Daran habe er sich orientiert.

 Am schlimmsten seien tatsächlich die Tage in der Klinik gewesen. „Kein Mensch ist gern im Krankenhaus – selbst wenn sich die Leute dort noch so lieb um einen kümmern. Wenn die Ärzte dann nach drei Tagen sagten, dass ich heim dürfe, fühlte sich das jedes mal in etwa so an wie früher bei der Bundeswehr, wenn es freitags nach Hause hing.“

 Köthe sieht seine Krankheit als Chance – als Chance, Bewährtes zu erhalten, aber bestimmte Dinge doch zu ändern. Und das werden auch die Hörer von RSH spüren. „Erst erkrankte meine Frau an Krebs, dann ich – ich werte dies auf gewisse Weise schon als Zeichen von irgendwem, fortan in ruhigere Fahrwasser zu manövrieren.“

 25 Jahre moderierte „der Kleine von RSH“ die Morgensendung, stand jeden Tag um kurz nach drei Uhr auf, um rechtzeitig im Sender zu sein. „Während meiner Krankheit habe ich länger geschlafen und habe festgestellt, dass es ein ganz anderes Leben ist, wenn man erst um halb acht oder um neun aufsteht. Tatsächlich hat es Freunde gegeben, die mir sagten, ich sehe mit Krebs besser und frischer aus als ohne.“ Worte, die Köthe bewegt haben – und so wird sein Neustart bei RSH zugleich auch ein Abschied sein. „Ich gebe das Staffelholz am Morgen an Volker Mittmann ab und werde die Hörer künftig aus der Mittagspause in den Feierabend begleiten – etwas völlig Neues für mich, worauf ich mich aber schon wahnsinnig freue.“

 Bevor es soweit ist, steht aber noch ein ganz persönliches Highlight an – das Wacken-Open-Air, das für Carsten Köthe in jedem Jahr zum Sommer im Norden dazugehört. „Und die zwei, drei Dosen Bier, die habe ich mir nach den letzten Monaten wahrhaft verdient, oder?“

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