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Hamburg Des Sultans neuer Windjammer
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11:50 21.10.2014
Von Frank Behling
Die holländische Werft baut wieder Segelschulschiffe für die Marineausbildung Quelle: Frank Behling
Vlissingen

Nach den Vorfällen auf der „Gorch Fock“ wurde in Deutschland heftig über den Sinn einer Ausbildung auf Segelschiffen gestritten. Ist es noch zeitgemäß, den Nachwuchs für moderne Kampfschiffe auf altertümlichen Segelschiffen auszubilden? Fast 30 Nationen tun dies heute. Besonders die Schwellenländer bauen ihre Ausbildungskapazitäten auf klassischen Segelschulschiffen aus. Sie sind aber nicht allein.

Ende September verließ das Segelschulschiff „Shabab Oman 2“ den niederländischen Hafen Vlissingen an der Schelde. Mit dem Bau von Segelschulschiffen hat in Vlissingen die niederländische Damen Werft einen Markt erschlossen, der zuvor von polnischen Werften beherrscht wurde.

Die Damen-Gruppe gehörte bislang zu den führenden europäischen Werften für den Bau von Korvetten, Küstenwachschiffen und Schleppern. Der 1927 gegründete Konzern hat 6000 Mitarbeiter an Standorten in den Niederlanden, in Vietnam, der Ukraine oder Rumänien.

Nach dem Erfolg mit Korvetten hat Damen Shipyards auf die Nachfrage im Marinemarkt reagiert und Entwürfe von Segelschulschiffen konstruieren lassen. Diese Entwürfe wurden im September auch bei der Schiffbaumesse SMM 2014 in Hamburg vorgestellt. Man sehe die gesamte Seefahrtsbranche als Markt für die Segelschulschiffe, nicht nur die Marinen, teilte Werftsprecher Jan-Hein Reeringh mit. An Gründen für diese Art der Ausbildung lässt auch er keinen Zweifel. An Bord eines Segelschulschiffes lasse sich sehr gut verstehen, was Seefahrt wirklich bedeute. „Darüber hinaus ist diese Ausbildung für die Teambildung extrem gut geeignet“, so der Werftsprecher.

Mit der „Shabab Oman 2“ hat Damen Shipyards bereits das dritte Segelschulschiff abgeliefert. Bei dem Neubau handelt es sich um ein Drei-Mast-Vollschiff mit einer Segelfläche von 2700 Quadratmetern auf 26 Segeln. Der 87 Meter lange Neubau hat eine Stammbesatzung von 58 Soldaten. Zusätzlich kommen pro Fahrt 34 Kadetten zur an Bord, für die es modernste Segeleinrichtungen gibt. Das Rigg besteht aus drei Masten, die bis zu 50 Meter hoch sind.

Der Bau des Windjammers erfolgte in 18 Monaten zur Hälfte in Rumänien und den Niederlanden. Der Rumpf entstand auf der Damen-Werft im rumänischen Galatz. Von dort zog ihn ein Schlepper im Januar 2014 nach Vlissingen, wo Ausrüstung, Erprobung und Abnahme erfolgten. Taufe war am 12. Mai 2014 in Vlissingen.

Bei der Ausbildung der omanischen Besatzung gab es Unterstützung durch die Niederländer. 34 Besatzungsmitglieder des Neubaus wurden im Sommer 2014 auf dem niederländischen Großsegler „Stad Amsterdam“ eingeschifft, der ebenfalls bei Damen gebaut wurde.

Die niederländische Werft hat noch zwei andere Segelschiffsentwürfe im Angebot. So sei auch der Großsegler „Eendracht“ für einen privaten Auftraggeber bei Damen gebaut worden, erläutert Reeringh.

Die „Shabab Oman 2“ und das zuvor für Brasilien gebaute Schulschiff „Cisne Branco“ gehören zum Typ „Sail Training Vessel 2630“. Es ist der kleinste der drei Damen-Entwürfe. Die beiden weiteren Entwürfe sind die „Sail Training Vessel 3000“ und „Sail Training Vessel 3500“, die ebenfalls als Vollschiffe getakelt sind. Die Entwürfe wurden vom Ingenieurbüro Dystra Naval Architects erstellt. Potenzielle Kunden für diese Entwürfe sind in Asien. Indien und Indonesien planen neue Segelschulschiffe.

Im Oman wird nach dem Eintreffen der neuen „Shabab Oman 2“ die alte „Shabab Oman“ abgelöst. Das 44 Meter lange Segelschulschiff hatte eine Segelfläche von nur 1000 Quadratmetern. Die Ausbildung der ersten Besatzung hatte 1977 der deutsche Marineoffizier Immo von Schnurbein übernommen. Er war zuvor Erster Offizier der „Gorch Fock“. 1986 wurde er Kommandant des deutschen Segelschulschiffes.

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