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Hamburg Danewerk viel älter als gedacht
Nachrichten Hamburg Danewerk viel älter als gedacht
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12:00 12.10.2013
Von Rainer Krüger
Das Danewerk ist älter als bisher angenommen. Dieses und andere Ergebnisse der diesjährigen Untersuchunngen an der mittelalterlichen Verteidigungsanlage stellte Archäologin Astrid Tummuscheit am Tag der offenen Grabungsstelle vor. Quelle: Rainer Krüger
Dannewerk

Archäologie ist auch Detektivarbeit. Das wird klar, als Grabungsleiterin Astrid Tummuscheit zum Ort der neuen Erkenntnis führt. Der liegt nicht in der imposanten Feldsteinmauer des 8. Jahrhunderts, sondern im Bereich davor. In einem Bodenschnitt haben die Wissenschaftler die früheren Danewerk-Phasen freigelegt. Die zweite Phase, ein dunkler Bereich, hat es in sich. „Hier wurden Heidesoden ausgelegt. Das erhaltene organische Material konnte mit der Radiokarbonmethode auf die Zeit zwischen 500 und 600 datiert werden. Und die Schicht darunter ist noch älter. Bislang war davon ausgegangen worden, dass der Danewerkbau um 650 begann“, sagte Tummuscheit. Damit stammen die Ursprünge des Danewerk aus einer Zeit, aus der nur wenig bekannt ist. „Die Angeln waren damals nach England ausgewandert. Dennoch muss es damals eine Gesellschaft gegeben haben, die in der Lage war, solch eine Anlage zu errichten“, macht Tummuscheit klar, wie Archäologen auf Zustände in der Vergangenheit schließen.

 Detektivisch gingen die Wissenschaftler auch im Bereich des Tors vor. Anders als erhofft, stießen sie in der Lücke der Feldsteinmauer nicht auf Pflasterungen – vielmehr nur auf einen Hohlweg, der sich sich mit Sedimenten gefüllt hat. In diesem Fall half eine Holzkohleschicht. Durch Proben wurde sie aufs 10. Jahrhundert datiert. Doch keine Holzkohle ohne Feuer. Kann die Schicht auch ein Hinweis auf kriegerische Auseinandersetzungen sein? Tummuscheit bejaht. Für das 10. Jahrhundert sind Kämpfe überliefert.

 Ab wann das Tor nicht mehr genutzt wurde, kann durch eine Entdeckung aus 2010 gesagt werden. Damals stießen Archäologen neben dem Tor auf das Ende der Waldemarsmauer aus dem 12. Jahrhundert. Die aus Ziegelsteinen bestehende Anlage erstreckt sich 4,5 Kilometer in Richtung Westen. Ein Betrieb des Tors danach gilt als wenig wahrscheinlich.

 In Zukunft könnte das Danewerk bald wieder von sich reden machen. Innerhalb es transnationalen Projekts soll der Status eines Unesco-Welterbes beantragt werden.

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