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Hamburg Den Wespen fliegt die Lebenszeit davon
Nachrichten Hamburg Den Wespen fliegt die Lebenszeit davon
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07:00 18.08.2013
Von Jana Ohlhoff
Lästige Mitesser beim Frühstück: Wespen stürzen sich mit Heißhunger auf alles Essbare. Als „Flugbenzin“ benötigen sie vor allem Zucker, zum Beispiel vom Marmeladenbrot. Quelle: dpa
Kiel

Schwarz-Gelb ist zurzeit die Modefarbe des Sommers. Wo immer man sich in Schleswig-Holstein im Freien aufhält, hat man das Gefühl: Die Wespen sind schon da. Der Eindruck täuscht nicht. „Ende Juli, Anfang August haben die Wespen Hochsaison“, sagt Dr. Wolfgang Dreyer, Leiter des Zoologischen Museums. Was der Mensch alljährlich als Plage empfindet, ist in Wahrheit ein ganz gewöhnlicher Vorgang in der Natur. „Die Wespenvölker haben jetzt ihre maximale Größe von bis zu tausend Tieren erreicht. Die Arbeiterinnen müssen weniger Larven füttern, und auch die Königinnen sind versorgt. So haben sie Zeit, auszuschwärmen“, erklärt der Experte. „Als Flugbenzin benötigen sie vor allem Zucker“, weiß Dreyer. Und so stürzen sich die kleinen Räuber mit Heißhunger auf alles Essbare, das sie erreichen können – vor allem unter freiem Himmel.

 Die Wespenpopulation hat sich nach der nassen und kalten Witterung im Frühjahr in diesem Sommer gut erholt. Gerade das stabile und langanhaltend gute Wetter im Juli/August hat dazu beigetragen. Von einer Plage würde Wolfgang Dreyer allerdings nicht sprechen: „Wir können von einer mittleren Populationsgröße ausgehen.“

 Um sich gegen die teilweise unter Naturschutz stehenden Hautflügler zu wehren, sollten Bedrängte auf keinen Fall pusten: Der Kohlendioxid-Gehalt der Atemluft ist ein Alarmstoff für die Wespen, der diese zum Stechen animiert. Grundsätzlich gilt: „Im Freien stehende Lebensmittel immer abdecken, Reste schnell wegräumen und verschmierte Kindermünder nach dem Essen sofort abwischen“, rät Dreyer. „Am besten stellt man einen Teller mit Marmelade und Zucker auf einen Extratisch, um die Tiere vom eigentlichen Essen abzulenken.“

 Wer also jetzt noch ein Wespennest entdeckt, kann vergleichsweise ruhig bleiben – außer Allergiker. Denn selbst wenn das Nest sich im Garten oder am Haus befindet, ist das Problem zeitlich befristet: „Viele wissen gar nicht, dass Wespenvölker nur einen Sommer überleben“, erklärt James Brückner, Artenschutzexperte beim deutschen Tierschutzbund. Dann sterben die Insekten – bis auf die Königin, die im Frühjahr wieder Eier legt.

 Auch, wenn sie lästig sind, sollte man Wespen nicht einfach töten. Stellen sie jedoch eine Gefahr für den öffentlichen Raum dar – beispielsweise wenn sie ihr Quartier in der Nähe eines Kindergarten aufgeschlagen haben – muss das Nest der unteren Naturschutzbehörde der Stadt Kiel gemeldet und dann entfernt werden. Eventuell kann auch ein Imker das Nest umsetzen, ohne die Tiere zu töten. „Den Schädlingsbekämpfer kommen zu lassen, sollte das allerletzte Mittel sein“, betont Tierschützer Brückner. Viele der Wespenarten sind sogar streng geschützt, wie beispielsweise die Hornisse. Zerstört man deren Nester, riskiert man eine saftige Geldstrafe. Da die einzige Überlebende, die Wespen-Königin, nicht im Nest überwintert, ist es meist im Spätherbst leer und kann dann sicher entfernt werden.

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