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Hamburg Dreckschleudern am Pranger
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00:17 09.08.2013
Von Frank Behling
Ein Frachter stößt beim Stoppmanöver in der Weiche Schwartenbek auf dem Nord-Ostsee-Kanal eine schwarze Rauchwolke aus. Der NABU stellt der Schifffahrt ein katastrophales Zeugnis aus. Abgasreinigungsanlagen sind bislang die Ausnahme. Der NABU fordert Kreuzfahrtreeder auf, mit gutem Beispiel voranzugehen. Quelle: FB
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Einzige Lichtblicke seien derzeit die Reedereien Hapag-Lloyd und TUI: allen voran das im Mai in Dienst gestellte Kreuzfahrtschiff „Europa 2“, das eine Abgasreinigungsanlage erhalten habe. Die beiden 2014 und 2015 kommenden Neubauten „Mein Schiff 3“ und „Mein Schiff 4“ lobten die Naturschützer ebenfalls. Die zehn Schiffe des Marktführers Aida sowie alle anderen Schiffe von Costa, MSC und sogar die „Queen Mary 2“ bekommen beim Nabu schlechte Noten.

 Auch wenn der Nabu die Kreuzfahrtschiffe in den Fokus seiner Untersuchungen gestellt hat, bedeutet das nicht, dass die übrige Schifffahrt „sauberer ist“, sagten die Kontrolleure. „Das Thema betrifft die gesamte Schifffahrt“, sagt Oeliger. Die rund 300 Kreuzfahrtschiffe seien nur „das Aushängeschild“ der Schifffahrt. Natürlich sehe die Umweltbilanz von Flachbildschirmen, Spielkonsolen oder Waschmaschinen genauso katastrophal aus, da ihr Transport auf Containerschiffen aus Asien nach Europa die Umwelt erheblich belaste, sagt Oeliger.

 Der Einbau von speziellen Scrubbern, die Abgase von Schiffsmotoren reinigen, lehnt der Nabu ebenfalls ab. „Das ist keine Lösung, da weiterhin das giftige Schweröl als Treibstoff verwendet wird“, sagt Oeliger.

 Heftige Kritik an der Nabu-Untersuchung äußerte der Verband Deutscher Reeder (VDR). „Die Reise auf einem Schiff ist eine der umweltfreundlichsten Arten der Fortbewegung. Weniger Emissionen verursacht nur, wer wandert, mit dem Fahrrad oder dem Heißluftballon in den Urlaub fährt“, sagt Ralf Nagel, Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des VDR. Gerade die Kreuzschifffahrt habe erhebliche Anstrengungen für den Umweltschutz gemacht. „Der Verbrauch pro Passagier auf 100 Kilometern liegt derzeit bei drei Litern Kraftstoff. Schweröl wird außerdem nur noch auf hoher See verwendet“, sagt Nagel.

 Im Visier hat der Nabu auch alle deutschen Forschungsschiffe. Diese Schiffe seien ebenfalls alle ohne Katalysatoren unterwegs – und das sogar in sensiblen Regionen wie der Arktis.

 Als Lösung des Problems befürwortet der Nabu den Einsatz von Flüssiggas als Treibstoff. „Das ist eine tolle Sache, da Flüssiggas als Treibstoff eine relativ gute Schadstoffbilanz hat“, sagt Oeliger. Als erste Kreuzfahrtreederei hat AIDA bei Caterpillar gerade Gas-Motoren des Typs MaK geordert.

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