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Hamburg Feuerwehrmann bekommt sechs Monate
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16:45 18.09.2012
Der Fahrer des beteiligten Feuerwehrfahrzeugs ist zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Quelle: dpa (Archiv)

Das Hamburger Landgericht folgte damit am Dienstag der Einschätzung der Staatsanwaltschaft, die dem 28-jährigen Feuerwehrmann vorgeworfen hatte, zu schnell in die Kreuzung gefahren zu sein. Ob hingegen das Martinshorn zu spät eingeschaltet worden sei, habe im Verfahren nicht geklärt werden können. Bei dem Unfall in Hamburg-Tonndorf waren im Juli vergangenen Jahres zwei Busfahrgäste getötet und 23 Menschen verletzt worden. Der Fahrer des Löschfahrzeugs stand wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung vor Gericht. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert.

Die Vorsitzende Richterin Birgit Woitas ging in der Urteilsbegründung auf die Frage ein, wie häufig das Martinshorn vor dem Zusammenstoß zu hören gewesen sei. „Wir haben dazu viele Zeugen vernommen. Es ergab sich jedoch ein überaus uneinheitliches Bild“, sagte Woitas. Manche hätten sich an eine Tonfolge erinnert, andere sprachen von zwei bis drei. Die Kammer gehe deswegen im Zweifel für den Angeklagten davon aus, dass der 28-Jährige das Martinshorn rechtzeitig angeschaltet habe.

Letztendlich sei die hohe Geschwindigkeit von 63 Stundenkilometern, mit der der Verurteilte das Löschfahrzeug bei roter Ampel in die Kreuzung gefahren hatte, fahrlässig gewesen. „Der Unfall hätte vermieden werden können“, sagte Woitas. 30 Stundenkilometer hätten nicht überschritten werden dürfen, da unklar war, ob alle Fahrzeuge Vorfahrt gewähren würden. Die Aussage eines Feuerwehrkameraden, dass an dieser Stelle 70 bis 80 Stundenkilometer gefahren werden könnten, ließ die Kammer nicht gelten. Der Kollege des Verurteilten habe dessen Fehlverhalten entschuldigen wollen.

Wegen der schlimmen Unfallfolgen habe die Kammer eine Freiheitsstrafe verhängen müssen. Diese bewege sich jedoch im unteren Strafrahmen. Positiv sei ins Gewicht gefallen, dass der Verurteilte mit dem Ziel, unter Einsatz seines Lebens Menschen retten zu wollen, unterwegs gewesen sei. „Sie haben außerdem sofort Erste Hilfe geleistet, obwohl Sie selbst verletzt waren“, sagte Woitas. Auch zu der von der Verteidigung immer wieder ins Spiel gebrachten Mitschuld des Busfahrers äußerte sich das Gericht. Wenn der Verurteilte das Martinshorn, wie zu seinen Gunsten angenommen, rechtzeitig angeschaltet hätte, träfe den Busfahrer eine Mitschuld. Er hätte dann nicht losfahren dürfen. Dies habe jedoch nicht geklärt werden können. Ob der Bus vor dem Zusammenstoß angerollt sei, habe der Verurteilte nicht sehen können. Deswegen habe es für das Urteil keine Bedeutung gehabt.

Der 28-Jährige nahm das Urteil regungslos auf. Als die Vorsitzende Richterin auf die schweren Verletzungen der Fahrgäste einging, lief der Feuerwehrmann rot an. Es war ihm anzusehen, wie stark ihn der Unfall belastet. Er leidet an einer traumatischen Belastungsstörung und kann bis heute keine Einsatzfahrzeuge steuern. Für die Verfahrensdauer ist er krankgeschrieben. Viele Feuerwehrkameraden in Uniform saßen im Zuschauersaal. Verteidiger Harald Roeske sagte auf Nachfrage, er wolle eine Revision überprüfen. Ansatzpunkte dafür seien vorhanden.

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