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Fuchsräude auf dem Vormarsch

Lebensgefährlich für Hunde – Übertragung auf Menschen selten Fuchsräude auf dem Vormarsch

Die Fuchsräude geht im nördlichen Bereich von Kiel um. Der hochansteckende Milbenbefall kann auch für Hunde lebensgefährlich werden, wenn er nicht behandelt wird. Mindestens ein Hund hat sich bereits angesteckt. Die Übertragung auf Menschen ist selten, aber möglich.

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In der Regel wird die Räude durch direkten Kontakt übertragen. Ist ein Fuchs bereits geschwächt, kann ein freilaufender Hund ihn leicht aufstöbern und sich anstecken.

Quelle: dpa

Kiel. „Der Ausbruch der Fuchsräude ist kein Grund zur Panik“, sagt Jagdpächter Reinhold Schlör, „aber die Hundebesitzer sollten das Risiko und die Symptome kennen und die Hunde besser angeleint lassen.“

Die Fuchsräude wird durch die Grabmilbe Sarcoptes scabiei verursacht. Die befruchteten Weibchen bohren Gänge in die Haut und legen dort ihre Eier ab. Die Larven wachsen dann in den Bohrgängen heran. In der Folge leiden die erkrankten Tiere unter einem starken Juckreiz, kratzen und beißen sich, verlieren ihr Fell, die Immunabwehr ist zunehmend geschwächt. Die Tiere werden anfällig für Infektionen, an denen sie meist verenden. Die Fuchsräude tritt immer mal wieder auf. 2009 meldete ein Jäger einen Ausbruch in der Probstei.

Auch Reinhold Schlör hat die Erkrankung schon bei Füchsen erlebt. „Vor 30 Jahren habe ich einmal ein Tier erlegt, das kaum noch als Fuchs zu erkennen war. Er hatte das Fell komplett verloren, die Haut sah aus wie schwarzes Leder. Aber seither habe ich Räude nicht mehr in solcher Intensität wie jetzt erlebt“, betont Schlör.

Ein Mitjäger habe den ersten erkrankten Fuchs entdeckt. Die Räude war bereits weit fortgeschritten, das Tier hinter der Schulter kahl. „Der Fuchs war stark geschwächt und wäre in nächster Zeit qualvoll verendet. Deshalb hat der Kollege ihn erlegt.“ Schlör selbst hat seither zwei weitere erkrankte Tiere gesehen: Ein Fuchs war im Bereich Flughafen Kiel und Altenholz-Stift unterwegs, der andere direkt über dem Falckensteiner Hundestrand in Kiel. Gerade dort führen viele Hundebesitzer ihre Tiere aus.

In der Regel wird die Räude durch direkten Kontakt übertragen. Ist ein Fuchs bereits geschwächt, kann ein freilaufender Hund ihn leicht aufstöbern und sich anstecken. Daniel Hoffmann vom Institut für Natur- und Ressourcenschutz der Christian-Albrechts-Universität und zuständig für das Wildtiermonitoring im Land, kennt aber auch andere Fälle. „Es kann durchaus ausreichen, dass sich der Hund in einem Fuchskadaver wälzt oder in einem Fuchsbau Milben des erkrankten Fuchses aufnimmt.“

Auch bei dem erkrankten Hofhund ist die Ansteckung nach Meinung des Besitzers nicht über einen direkten Kontakt gelaufen. „Dass Füchse nachts auf Höfe und zu menschlichen Behausungen kommen, ist Alltag. Wenn sich ein erkrankter Fuchs an einem Pfosten schubbert und der Hund dort am nächsten Tag ausgiebig schnuppert, kann er auf diesem Weg Milben aufnehmen.“ Im Gegensatz zu den Wildtieren könnten infizierte Menschen und Haustiere wirksam mit Medikamenten behandelt werden. Das ist auch bei dem Hofhund geschehen. Er ist außer Gefahr. „Ist der Hund unruhig, das Fell verändert, die Hautschuppenbildung stark, sollte man bereits an Fuchsräude denken und einen Tierarzt aufsuchen“, rät Hoffmann. Dem Geschäftsführer des Landesjagdverbandes Schleswig-Holstein, Andreas Schober, sind aktuell zwar keine weitere Vorkommen von Fuchsräude bekannt. „Aber man muss uns das auch nicht melden. Auf jeden Fall sollte man solche Ausbrüche Ernst nehmen.“

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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Foto: So kam der Fuchs ans Haus: geschwächt und hinten ohne Fell.

Das Ansteckungsrisiko bei der Fuchsräude ist möglicherweise höher als bekannt. Nach unserem Bericht über einen infizierten Hund im Kieler Norden wurden aus den Kreisen Rendsburg-Eckernförde und Plön weitere Erkrankungen gemeldet.

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