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Hamburg Geldstrafe für betrunkenen Kapitän
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14:51 14.09.2012
Schiffe auf dem Nordostsee-Kanal: Wegen des Schlingerkurses der Fähre und ruppiger Anlegemanöver hatte ein Fahrgast die Polizei alarmiert. Quelle: Behling

Weil er seine Fähre im Vollrausch über den Nord-Ostsee-Kanal steuerte, hat das Rendsburger Amtsgericht am Freitag einen Kapitän zu 1200 Euro Geldstrafe verurteilt. Die Wasserschutzpolizei hatte bei dem Schiffsführer über vier Promille Atemalkohol festgestellt, als sie ihn Ende Oktober 2011 auf der Brücke mit einem vollen Rotwein-Becher antraf. Eine spätere Blutprobe ergab noch über drei Promille.

Der Amtsrichter sprach von einem „verdammt hohen Alkoholwert: Ein normaler Mensch würde bei einem solchen Wert unter dem Tisch liegen“, sagte er. Er betonte, dass „glücklicherweise niemand verletzt wurde. Aber man kann sich ausmalen, was hätte passieren könnten“, sagte er. Der Kapitän war mit der Fähre „Memel“ im morgendlichen Berufsverkehr zwischen Rendsburg und Schacht-Audorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde) unterwegs — mit Passagieren, Autos und Fahrrädern an Bord.

Wegen des Schlingerkurses der Fähre und ruppiger Anlegemanöver hatte ein Fahrgast die Polizei alarmiert. Auf der Brücke roch es stark nach Alkohol, berichteten Polizisten vor Gericht. Dennoch wirkte der 51-jährige Portugiese auch nach ärztlicher Beurteilung nur leicht angetrunken. „Alle haben gesagt, der geht normal, der spricht normal“, fasste der Richter Zeugenaussagen zusammen: „Das ist ein eindeutiges Zeichen, dass Sie ein ernsthaftes Alkoholproblem haben“, sagte er zum Angeklagten. Deswegen schloss der Richter auch eine verminderte Schuldfähigkeit nicht aus.

Offen blieb in dem Prozess, wieso der Schiffsführer, der seit langem beim Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Kiel-Holtenau angestellt ist, überhaupt noch eine Fähre lenken durfte. Der Mann ist einschlägig wegen Trunkenheit am Steuer vorbestraft und hat seit über drei Jahren keinen Führerschein mehr. „Wie kann es sein, dass Sie dennoch eine Fähre über den Kanal steuern und Ihr Arbeitgeber das nicht mal kontrolliert“, fragte der Richter.

Beim Wasser- und Schifffahrtsamt hieß es dazu auf Anfrage, man sei über den Führerscheinentzug nicht informiert worden. Nach der Trunkenheitsfahrt sei dem Mann aber das Kapitänspatent entzogen worden. Um es wieder zu erlangen, müsse er seine gesundheitliche und charakterliche Eignung nachweisen. Die Hürden dafür seien sehr hoch, hieß es. Zu arbeitsrechtlichen Konsequenzen wollte sich eine Sprecherin nicht äußern.

Der Angeklagte schwieg im Verfahren. Er hatte über seinen Verteidiger einen Strafbefehl über 3000 Euro zurückgewiesen. Deshalb kam es zur Verhandlung vor dem Amtsgericht. Dabei beanstandete der Verteidiger, dass das Gericht die Blutprobe verwertete. Sie hätte von einem Richter angeordnet werden müssen, wurde aber nur von einem Staatsanwalt verfügt. Der Verteidiger, der Freispruch forderte, will das Urteil daher über eine Rechtsbeschwerde anfechten.

dpa

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