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Hamburg Rasenmäher fliegt durch die Luft
Nachrichten Hamburg Rasenmäher fliegt durch die Luft
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17:27 18.08.2013
Hauptattraktion war ein „fliegender Rasenmäher". Quelle: dpa
Jerrishoe

„Wenn es knurrt, ist es ein Verbrenner“. Olaf Haack deutet auf ein Miniatur-Wasserflugzeug, das hoch über ihm seine Runden dreht. Doch heute werden viele Modellflugzeuge schon von flüsterleisen Elektromotoren angetrieben. „Das ist einfacher und macht nicht so viel Dreck.“ Auf dem 42. Internationalen Modellflugtag in Jerrishoe im Kreis Schleswig-Flensburg kann man am Sonntag beide Antriebsarten bewundern. Bei typisch norddeutschem Schietwetter trafen sich dort rund 200 Modell-Piloten aus ganz Deutschland und den umliegenden Staaten.

Vor Hunderten begeisterter Zuschauer demonstrierten sie bei einem Schaufliegen unweit des Fliegerhorstes Jagel mit mehr als 300 Modellen ihr Können und die vielfältigen Möglichkeiten ihres Hobbys. Die Besucher kommen weit aus dem Umland — aus Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und sogar aus Dänemark.

Modellflug muss kein teures Hobby sein. Der ernsthafte Einstieg sei heute schon mit einem Komplett-Set ab 150 Euro möglich, erzählt Haack. „Früher kostete alleine die Fernsteuerung ein Vielfaches.“ Jörn Knott aus Preetz bei Kiel reicht das nicht. Er ist seit 2001 dem Modellfliegen verfallen. Seine Miniatur-Flieger kosten so viel wie ein Kleinwagen. Mit Fingerspitzengefühl dirigiert der 23-Jährige ein wahrhaft riesiges Flugzeug über der Flugplatz: Das Modell einer russischen „Yak 54“, 18 Kilogramm schwer mit einer Flügelspannweite von 3,10 Meter; den Propeller treibt ein 170- Kubikzentimeter-Boxermotor an.

Richtige Modell-Flugzeuge - egal ob Segelflieger, Propellermaschine, Düsenjet oder Hubschrauber - haben trotz Computerspielen nichts von ihrer Faszination verloren. Hunderte Menschen bejubeln rund 200 Modellpiloten aus ganz Europa, die ihre Tricks am Himmel über Jerrishoe (Kreis Schleswig-Flensburg) zeigen.

8500 Euro kostete das Material, die Bauzeit summierte sich auf rund 200 Stunden, erzählte er. Er betankt sie mit einem „Rasenmähergemisch“ (1:50) von der Tankstelle. Warum es so ein großes und teures Flugzeug sein muss? „Wegen des Adrenalin-Kicks“, gesteht Knott mit spitzbübischem Grinsen. In seiner Hobby-Werkstatt warten mehr als 20 weitere Modellflugzeuge auf ihre Vollendung.

Arnold Keil guckt heute nur noch zu. Der 88-Jährige hat den „Steuerknüppel“ seiner Modelle letztmals vor 15 Jahren bewegt. Bis dahin hatte er Flugzeuge mit Glühkopfmotoren mit 6,5 oder 10 Kubikzentimeter Hubraum geflogen. Für die gab es Treibstoff nur in der Apotheke, erzählt er. Die Mischung aus Methanol und Rhizinusöl habe man selber kurz vor dem Flug angerührt.

Die Modelle, egal ob Segelflieger, Propellermaschine, originalgetreu nachgebaute Kampfjets mit Düsentriebwerk — selbst die Modelle waren noch mehr als 300 km/h schnell — oder Hubschrauber faszinieren Jung und Alt gleichermaßen. Hauptattraktion ist neben einem „fliegenden Rasenmäher“ ein historisches Flugzeugmodell aus dem Jahr 1908: Der Niederländer Henk van Hoorn führte sein Großmodell Blériot XI vor, den Nachbau einer einmotorigen Maschine des Franzosen Louis Blériot (1872-1936). Der Flugpionier hatte damit 1909 den Ärmelkanal überquert. Van Hoorns Nachbau hat eine Spannweite von 5,30 Metern und ist ungefähr ein Drittel kleiner als das Original.

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