Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Hamburg Jeder vierte Akademiker geht
Nachrichten Hamburg Jeder vierte Akademiker geht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 31.05.2013
Von Martina Drexler
Schleswig-Holsteins Hochschulen sehen sich gut gerüstet, die Abwanderung in Grenzen zu halten. Quelle: dpa
Kiel

Die Abwanderung der Intelligenz trifft die Bundesländer völlig unterschiedlich. Rheinland-Pfalz zum Beispiel droht ein Verlust von fast der Hälfte seiner Hochschul-Absolventen, Brandenburg sogar 72 Prozent. Schleswig-Holstein kommt auf 23 Prozent, hat mit Hamburg aber den bundesweit größten Gewinner vor der Haustür. Der Stadtstaat wirkt ähnlich wie Berlin und die wirtschaftsstarken Länder im Süden wie ein Magnet und gewinnt auf 100 vor Ort ausgebildete Studierende 167 Absolventen aus anderen Ländern hinzu. Die Zahlen ermittelt hat die Studie „Fachkraft 2020“ der Kölner Studitemps GmbH und der Universität Maastricht nach Online-Befragungen von etwa 20000 Studierenden.

Der Trend wird sich danach in den nächsten Jahren noch verstärken. Auch Schleswig-Holsteins Unternehmen laufen nach Angaben von Studitemps-Geschäftsführer Benjamin Roos Gefahr, vor dem Hintergrund der Bevölkerungsentwicklung begehrte Fachkräfte gerade am „wegweisenden Übergang von akademischer zu beruflicher Laufbahn“ zu verlieren. Mit Blick auf die eher mittelständisch geprägte Wirtschaft im Norden ist die Industrie- und Handelskammer zu Kiel zwar noch nicht alarmiert: „Uns droht eher eine Lücke im Bereich der mittelqualifizierten Fachkräfte als bei Hochqualifizierten.“ Für Sebastian Schulze von der Vereinigung der Unternehmensverbände Nord aber ist jeder Akademiker, der den Norden verlässt, einer zu viel: Es müsse Aufgabe der Fachkräftestrategie und eines Standortmarketings sein, „Klebstoff für die Region“ zu entwickeln, damit die Absolventen bleiben. Mit Stärkung der Fachhochschulen, einer zukunftsorientierten Profilbildung und mit einer höheren Zahl von Ausgründungen aus den Hochschulen will das Wissenschaftsministerium dem Fachkräftemangel begegnen: „Aus der Forschung am Ort soll ein Job am Ort werden“, betont Staatssekretär Rolf Fischer.

Die Hochschulen sehen sich gut gerüstet, die Abwanderung in Grenzen zu halten. „Unsere Studierenden sind regional verankert“, erklärt Prof. Udo Beer, Präsident der Kieler Fachhochschule. Gut die Hälfte habe vor dem Studium eine Lehre abgeschlossen, oft in der Region und während des Studiums Kontakte zu Unternehmen auch vor Ort geknüpft. Prof. Frank Kempken, Vizepräsident der Kieler Uni, verweist auf die Absolventenstudie, wonach Kieler Studierende beste Berufsaussichten haben: Die CAU fördere den frühen Kontakt zu regionalen Arbeitgebern, zum Beispiel durch die Messe „Contacts“. Doch es fehle „schlicht an ausreichenden Arbeitsplätzen in größeren Industriebetrieben“.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!