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Hamburg Jeder vierte Bauer ohne Nachfolger
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08:37 10.03.2014
Von Heike Stüben
Kurz vor der Rente hat jeder vierte Bauer keinen Nachfolger. Quelle: Archiv/dpa
Kiel

Gibt es keinen Nachfolger, werden die Flächen in der konventionellen Landwirtschaft in der Regel an benachbarte Bauern verpachtet. Im ökologischen Landbau, in dem jetzt die erste Generation das Rentenalter erreicht, ist das schwierig. Die 400 Ökobetriebe sind über das Land verstreut. Meist findet sich kein Ökolandwirt in der Nähe, um die Flächen weiter zu bewirtschaften. „Die Flächen an konventionelle Betriebe zu verpachten, das geht aber nicht. Dann wäre unsere Arbeit vergeblich gewesen“, sagt Albert Teschemacher aus Dannau. Der 64-Jährige hat deshalb außerhalb der Familie nach einem Nachfolger gesucht. Erfolgreich. Doch Teschemacher ist die Ausnahme.

Das Grundproblem trifft nicht nur Biobauern: Seit 1970 ist die Zahl der Höfe im Land um 65 Prozent geschrumpft. 2013 gab es nur noch 9500 Vollerwerbsbetriebe. Früher starben die Höfe aus wirtschaftlichen Gründen, heute spielen oft persönliche Vorstellungen der Nachfolgegeneration eine Rolle. „Da ist ein Wandel deutlich spürbar“, sagt Klaus Dahmke vom Bauernverband Schleswig-Holstein. Der Agrarökonom Christian Vieth bestätigt das. „Die ökonomischen Gründe werden überlagert: Wertevorstellungen, Arbeitsbelastung, andere Lebens- und Berufsvorstellungen der Partner, das Fehlen eines Partners – das kann alles mitentscheiden, ob ein Hof übernommen wird oder nicht.“ Vieth versucht deshalb, über das bundesweite Portal hofgruender.de Landwirte ohne Nachfolger und junge Interessenten zusammenbringen.

Denn an Nachwuchs fehlt es (noch) nicht. „Doch 40 Prozent kommen heute nicht mehr von einem Hof“, sagt Dahmke. Statt Hofübernahme und Unternehmertum zögen viele ein Angestelltenverhältnis vor – kein finanzielles Risiko, regelmäßiger Urlaub, bei Bedarf ein Arbeitsplatzwechsel. Solche Arbeitsplätze gebe es genug im vor- und nachgelagerten Bereich, bei Sparkassen und Raiffeisenbanken, aber auch auf den Höfen selbst. Denn weil die Betriebe immer spezialisierter und immer größer werden, gleichzeitig aber weniger Familienmitglieder mitarbeiten, geht der Trend zu festangestellten Beschäftigten. Von den gut 44000 Arbeitskräften gehört nur noch jeder zweite zur Familie des Landwirts.

Das bestätigt auch der Kieler Agrarstudent Johannes Eisert. „Nur etwa ein Drittel der Kommilitonen will einen Hof übernehmen, die Mehrheit lieber ein Anstellungsverhältnis oder gleich in die Wirtschaft oder Politik gehen.“ Von den 300 Studenten in seinem Semester interessiere sich nur eine Handvoll intensiv für den Ökolandbau. Eisert will den Nachwuchs sichern. Deshalb hat er gerade die Interessengruppe „Junges Bioland“ mitgegründet.

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