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Hamburg Keller-Kind: Jugendamt unter Druck
Nachrichten Hamburg Keller-Kind: Jugendamt unter Druck
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18:24 20.09.2012
Von Bastian Modrow
Aus dem Kellerraum dieses Wohnhauses in Bad Segeberg befreite die Polizei einen dreijährigen Jungen. Die Eltern sind umgezogen. Die Kinder sind in Obhut des Jugendamtes. Quelle: dpa
Bad Segeberg

Jetzt ist bei der Kieler Staatsanwaltschaft Strafanzeige gegen den Amtsleiter erstattet worden. Der Vorwurf lautet: Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht. „Die Anzeige gegen den Leiter des Jugendamtes sowie gegen eine Reihe weiterer mit dem Fall betrauter Personen ist heute bei uns eingegangen“, bestätigte Kiels Oberstaatsanwältin Birgit Heß am Donnerstag.

Erstattet wurde die Strafanzeige von Harald Hallerbach, einem 55-jährigen Privatmann aus Rheinland-Pfalz. Seit Jahren beschäftigt er sich mit Fällen, in denen Kinder vermeintlich durch Fehler von Aufsichtsbehörden zu Schaden gekommen sind. Hallerbach war durch bundesweite Medienberichte auf den Segeberger Fall aufmerksam geworden.

Wie das Oberlandesgericht in Schleswig jetzt mitteilt, hatte das Bad Segeberger Jugendamt bereits seit zwei Jahren das nahezu komplette Sorgerecht für die vernachlässigten Kinder. Die drei ältesten Kinder waren aus der Familie herausgenommen worden, die drei jüngsten blieben hingegen in Obhut der überforderten Eltern. Eine Information, die die Landrätin Jutta Hartwieg (SPD) und der Leiter des Jugendamtes Georg Hoffmann der Öffentlichkeit bislang nicht mitgeteilt hatten. Mehr noch: In einer Pressekonferenz vor wenigen Tagen hatten beide jegliche Schuld von sich gewiesen. Irene Johns, Landesvorsitzende des Kinderschutzbundes in Kiel, ist bestürzt. „Der Fall bekommt jetzt eine komplett neue Wendung“, sagt sie und verlangt, dass sich das Jugendamt eiligst zu den Hintergründen erklären müsse.

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