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Hamburg LKA: Telefonanlagen manipuliert
Nachrichten Hamburg LKA: Telefonanlagen manipuliert
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09:20 23.08.2014
Von Bastian Modrow
Rät zu sicheren Passwörtern: LKA-Sprecher Stefan Jung. Quelle: Volker Rebehn
Kiel

Die Masche der Internet-Kriminellen ist neu und offenkundig effektiv. „Die Täter verschaffen sich mit spezieller Software Zugang zu den Servicemenüs der Telefonanlagen“, erläutert Jung. Anschließend richten die Unbekannten Rufweiterleitungen auf kostenpflichtige Servicenummern im Ausland ein und starten massenhaft Anrufe. Das Perfide: Die betroffenen Unternehmen bemerken davon zunächst nichts. Erst wenn die Firmen mit hohen Telefonrechnungen konfrontiert werden, fliegt die Cyber-Attacke auf. Jung: „Die Übernahme der Telefonanlagen findet stets an den Wochenenden oder in Betriebsferien statt, in denen die Firmen nicht besetzt sind.“ Teilweise werden die Rufumleitungen zum Wochenbeginn sogar wieder abgeschaltet, um sie am folgenden Wochenende wieder zu aktivieren.

 Laut Polizei kann auf moderne Telefonanlagen von Unternehmen häufig von außen zugegriffen werden, um beispielsweise bei Störungen Technikern Fernwartungen oder Mitarbeitern das Abhören des Anrufbeantworters zu ermöglichen. Dies nutzen die Täter gezielt aus, suchen nach technischen Schlupflöchern in der Software und bestrafen so die Nachlässigkeiten der Firmen. „Einfache Zugangs-Passwörter wie ,1234‘ oder ,0000‘ bieten keinen Schutz und können von Entschlüsselungsprogrammen oder Passwort-Generatoren in Sekundenschnelle geknackt werden“, warnt der LKA-Sprecher.

 Verstärkt melden sich zurzeit geschädigte Unternehmen bei der Polizei. Konkrete Zahlen will der Ermittler aber nicht nennen. Viele Betriebe schweigen allerdings auch aus Angst vor einem möglichen Imageverlust. Betroffen seien laut LKA überwiegend mittelständische Firmen und öffentliche Einrichtungen wie das Amt Südtondern. „Unsere Sicherheitsbarrieren sind überlistet worden und mehr als 26 000 Gesprächsminuten nach Westafrika umgeleitet worden“, berichtet Lars Feddersen, IT-Chef der Amtsverwaltung. Der Schaden belaufe sich allein durch die Telefonate auf mehr als 38000 Euro. Doch damit nicht genug: „Um ihre Spuren zu verwischen, haben die Täter unsere Computeranlage sabotiert und einen Bug installiert, so dass bei uns die Technik lahmgelegt worden ist“, so Feddersen.

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