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Hamburg Land gibt Geld für Hochwasserschutz
Nachrichten Hamburg Land gibt Geld für Hochwasserschutz
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00:17 23.08.2013
Von Bastian Modrow
Das nächste Hochwasser kommt bestimmt. Um dafür gerüstet zu sein, soll die Altstadt von Lauenburg jetzt endlich einen effektiven Flutschutz bekommen. Quelle: bas
Lauenburg

„Hoffentlich gibt ihnen das zu denken.“ Die „halbe Nacht“ hatte Ferdinand Soethe gemeinsam mit Heike und Winfried Frömling an dem Transparent gearbeitet. Gestern Mittag hissten sie das orangefarbene Laken zwischen ihren Häusern, quer über die historische Elbstraße. „Hochwasserschutz: Sofortmaßnahmen jetzt – dann die großen Pläne“, ist die klare Botschaft, die sie den Landespolitikern mit auf den Weg geben wollen, wenn sie durch die Altstadt marschieren. „Wenn der Ministerpräsident das liest, dann passiert hoffentlich etwas Sinnvolles – vor allem werden wir als Anwohner dann hoffentlich endlich in die Planungen eingebunden“, sagt Soethe. Der 50-Jährige ist – wie so viele seiner Nachbarn – noch immer damit beschäftigt, die Spuren der Rekordflut zu beseitigen. Noch immer laufen überall die Gebläse zur Trocknung feuchter Keller und Wohnungen. Noch immer sind überall Handwerker im Einsatz, reißen alte Dielen aus den Backsteinhäusern, verputzen Mauern, streichen Wände.

„So sinnvoll es ist, unsere historische Altstadt effektiv vor künftigen Fluten zu schützen, so läuft es doch wieder einmal auf eine Entscheidung am grünen Tisch hinaus“, klagt Frömling. Der 70-Jährige kann dies nicht verstehen. Bevor über Spundwände oder Wallanlagen nachgedacht werde, sei die Sanierung der Abwasserkanäle in der Elbstraße ein erster sinnvoller Schritt. „Dann könnte man die Siele bei Hochwasser schließen, und die Elbe würde das Wasser nicht durch die Kanalisation in die Altstadt drücken“, erläutert Soethe. Klingt plausibel, aber „wir Anwohner werden nicht gehört.“

Das auffällige Transparent soll die Landespolitiker aufmerksam machen, „wenn sie durch unsere Straße laufen“, hoffen die Anlieger. Nur: Auf dem Fußmarsch von der Oberstadt zum Tagungsort führt Bürgermeister Andreas Thiede seinen hochkarätigen Besuch aus Kiel zwar durch die Elbstraße – allerdings ausgerechnet nicht durch den von der Flut am stärksten betroffenen Abschnitt. Ob dies Zufall oder bewusstes Kalkül war, blieb unklar. Deutlich dagegen wurde Ministerpräsident Torsten Albig (SPD), als es um die Unterstützung der Landesregierung für den geplanten Hochwasserschutz ging. Mit einem Zuwendungsbescheid in Höhe von gut 80000 Euro soll das Realisierungskonzept für die notwendigen Maßnahmen finanziert werden.

„Sicher ist, dass Jahrhundert-Hochwasser kein Jahrhundert mehr warten, bis sie wiederkehren – manchmal sogar mehrfach binnen eines Jahrzehnts“, sagt Albig. Spätestens Mitte 2014 sollen Ergebnisse des Projekts vorliegen. „Wir nehmen uns Zeit, die wir eigentlich nicht haben“, sagte Umweltminister Robert Habeck (Grüne). Allerdings: „Aktionismus hilft jetzt niemandem. Sämtliche Maßnahmen müssen Hand und Fuß haben.“ Zugleich betonte Habeck, dass effektiver Schutz für Lauenburger bereits weit vor Lauenburg beginne. „Gemeinsam mit den anderen Elbanliegern muss der Hochwasserschutz weiterentwickelt werden. Wir benötigen im Ober- und Mittellauf der Elbe mehr effektive Überflutungs- und Rückhalteflächen.“

Das Elbhochwasser hat nach bisherigen Berechnungen einen Gesamtschaden von 27,28 Millionen Euro verursacht. Aus dem Topf der vom Bund initiierten Aufbauhilfe soll Schleswig-Holstein 11,5 Millionen Euro bekommen. Hinzu kommen Mittel aus dem Soforthilfeprogramm. Mehr als 700000 Euro hat die Stadt Lauenburg bislang ausgezahlt. „Noch sind aber nicht alle Anträge abgearbeitet“, sagte Albig. Innenminister Andreas Breitner (SPD) lobte noch einmal das Engagement der Einsatzkräfte. Alle Helfer, die in Lauenburg im Einsatz gewesen waren, sollen als Zeichen der Anerkennung ein Ehrenzeichen des Landes erhalten. Weiterhin gelte die Zusage, dass unbürokratisch und schnell geholfen werden soll.

Aussagen der Politik, die einige Betroffene nicht mehr so recht glauben können. „Bei uns hat sich lange niemand mehr blicken lassen“, klagt Karsten Neugebauer. Der Gastronom weiß noch immer nicht, wie er den Inventarschaden von 40000 Euro in seinem Restaurant „Schifferbörse“ finanzieren soll. Der 36-Jährige gehört zu den „besonders schwierigen Fällen“, von denen Landes- und Kommunalpolitik derzeit sprechen. „Unser Vermieter wohnt in Niedersachsen, ich selbst nicht in der Elbstraße, so dass wir keine Soforthilfe bekommen haben und werden“, sagt er. Doch ans Aufgeben denkt Neugebauer nicht. „Wir Lauenburger sind Kämpfer.“

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