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Hamburg Lecker: Saft aus eigenen Äpfeln
Nachrichten Hamburg Lecker: Saft aus eigenen Äpfeln
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07:30 30.09.2013
Von Nora Saric
Obstbauer Jaoachim Henes presst die Äpfel, die er in Aukrug entgegengenommen hat, mit seiner Saftpresse in Schleswig. Aus den großen Kisten wandern die Äpfel zuerst ins Wasserbad. Quelle: Saric
Aukrug/Schleswig

Ein Abend in Aukrug auf dem Hof von Johann Holm. Ein paar Autos randvoll mit Äpfeln und erwartungsvoll dreinblickende Menschen. Sie warten auf Obstbauer Joachim Henes, der ihre Äpfel abholen und in seiner Mosterei zu Saft pressen wird. Als er ankommt, wird es geschäftig: Die Kunden schütten eimer- und säckeweise Äpfel in große 300-Kilo-Kisten. Die sind nummeriert, damit er die Äpfel und den späteren Saft wieder dem richtigen Kunden zuordnen könne, erklärt Henes. Mit fast einer Tonne Äpfeln auf dem Lkw fährt der 40-Jährige wieder ab.

 Zwei Tage später in Schleswig: Auf einem ehemaligen Bundeswehrgebiet an der Zuckerstraße betreibt Joachim Henes seine Mosterei in zwei gemieteten Hallen. Es riecht schon von Weitem nach Äpfeln. Auf dem Hof surrt und brummt die elektrisch betriebene, 2,5 Tonnen schwere Saftpresse, mit der Henes auch mobil unterwegs ist. Ein Mitarbeiter überwacht den Prozess, schüttet unermüdlich Äpfel nach – auch die aus Aukrug.

 „Die Äpfel kommen zuerst in ein Wasserbad“, erklärt Henes. Immer tiefer rutschen sie ins Innere der Presse. „Mit einem Schneckenelevator werden sie dann durch ein Rohr nach oben getrieben, wo sie durch eine Lochplattenmühle grob gehäckselt werden.“ Die Maische wandert anschließend durch fünf Bandpressen, also durch Walzen und feinlöchriges Gewebe. „Darin wird sie immer wieder aufgelockert und gepresst. Der Saft tropft nach unten und läuft durch einen Schlauch in ein Fass“, sagt der dreifache Vater. Übrig bleibt sonst nur der Trester: ein trockenes Apfelgehacktes, das Henes als Futtermittel loswird.

 „Ich bin vor 18 Jahren aus Süddeutschland hier hochgekommen, um den Obsthof Riesboer in Brodersby zu pachten“, erzählt Henes. „Dort habe ich 10000 Apfelbäume stehen.“ Holsteiner Cox, Jonagold und Boskop. „Es gibt noch zwei Streuobstwiesen, die ich pflege. Hier wachsen alte Sorten wie Schleswiger Renette, Schaalbyer Rosen oder Gravensteiner.“ Die schönen Äpfel wandern in den Verkauf, aus den nicht so schönen macht er Saft. Die Presse betreibt der gelernte Gärtner seit neun Jahren, „um das zusätzlich als Dienstleistung anzubieten“.

 In einer der Hallen steht Lina Hansen an der Abfüllmaschine. Die 19-Jährige füllt den Saft in Fünf-Liter-Beutel, die – wenn vom Kunden gewünscht – noch in einen Karton verpackt werden. „Über einen Plattenwärmeaustauscher wird der Saft pasteurisiert, also in 25 Sekunden auf 80 Grad erhitzt. Dabei werden Mikroorganismen abgetötet, das macht den Saft haltbar“, sagt Henes. Das sei die schonendste Art für den Saft, der in dem Plastikbeutel langsam abkühlt und dann ein Jahr lang haltbar ist – geöffnet sechs Wochen.

 Aus 100 Kilo Äpfeln kann Henes 60 bis 70 Liter Saft gewinnen. Der ist gesund, aber er warnt: „Apfelsaft hat unwesentlich weniger Zucker als Limo. Es ist zwar ein gesunder Fruchtzucker, aber es bleibt Zucker.“ Sein Tipp: am besten als Schorle trinken.

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