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Hamburg Marodes Dorf wird zum Luxus-Resort
Nachrichten Hamburg Marodes Dorf wird zum Luxus-Resort
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12:06 03.03.2012
Von Konrad Bockemühl
Herrenhaus in schneeweißer Pracht: Anfang Februar wurden die Baugerüste an der Front von "Schloss Weissenhaus" abgebaut - innen wird derzeit noch gearbeitet. Quelle: Foto Bockemühl (Archiv)
Weißenhaus

Als Jan Henric Buettner 2005 das historische Gutsgelände Weißenhaus kaufte, mit der Perspektive, die marode Anlage zu einem Luxus Resort, einem Spa Refugium erster Güte, zu verwandeln, schien die Perspektive geradezu irreal. Ähnlich unwirklich wie die Karriere des heute 47-jährigen Multimillionärs in Sachen Wagniskapital. Heute steht Buettner, der in den 1990er Jahren AOL Europe aufgebaut hat, vor der sanierten Front des schneeweißen Herrenhauses und hat sein 50 Millionen Euro teures Ziel sichtbar vor Augen: Vorbei ist der Dornröschenschlaf – im Mai startet Phase 1 des spektakulären Projektes an der Ostsee.

 Jan Eric Buettner macht keine halben Sachen. Er lässt nicht erklären, er erklärt seine Herzensangelegenheit selbst, erzählt von acht Millionen Euro, die er im Boden vergraben habe, für elf Kilometer Leitungen, Rohre, Glasfaserkabel, von der neuen Biokläranlage mit vier Überlaufteichen, von dem 1,5-MW-Blockheizkraftwerk, dem aus Mecklenburg importierten Kopfsteinpflaster, von 3000 Lkw-Ladungen für den Wall zur B202 ... Basisarbeit im Kleinen für die große Lösung auf dem 75 Hektar großen Gutsgelände, das Buettner von Kindheit an vertraut ist. Oft genug war das Erdbeercafé im Schlossgarten vom Feriendomizil seiner Eltern in Ehlersdorf aus beliebtes Ausflugsziel – nicht nur des Kuchens, sondern der „malerischen, natürlichen Umgebung“ wegen, erinnert er sich.

 Buettner wohnte im kalifornischen Santa Barbara, als 2005 das Erdbeercafé wieder ins Gespräch kam – und seine Eltern ihm beiläufig erzählten, das Gutsgelände stünde zum Verkauf. Einige Monate später hatte der erfolgreiche Finanzjongleur ein völlig fremdes Tätigkeitsfeld für sich erobert: Sieben Millionen Euro zahlte er an den Grafen von Platen Hallermund, der sich schon länger auf das Nachbargut Friederikenhof zurückgezogen hatte. Und entwickelte in der „magischen Natur im Zusammenspiel von Schlosspark, Wald und Küste“. Seit mittlerweile drei Jahren werden an die 40 historische Gebäude vom Gutsgefängnis bis zum Peerstall im Zentrum der Gutsanlage in enger Absprache mit der Landesdenkmalpflege kernsaniert.

 Im Mai 2012 soll ein „Pre-Opening“ des Luxus-Feriendorfs „Schlossgut Weissenhaus“ geben. Zwei Mustersuiten in der alten Stellmacherei lassen den Luxus erahnen, der sich ab Mai zunächst in 15 Wohneinheiten erfahren lässt. Denn innen sind die historischen Kolossalgemälde des französischen Malers Le Bourgignon noch ausgelagert, ist 3000 qm Baustelle. Aber ... der Sternekoch für das Gourmetrestaurant ist mit Alexander Dehn (Ex Hohe Düne, Warnemünde) bereits engagiert.

 Der Erdbeerkuchen wird seinerzeit günstiger gewesen sein als bald im Rosengarten hinterm Peerstall – dennoch ahnen vom Denkmalpfleger bis zum Bürgermeister alle, dass auch sie mit Buettners großem Coup gewinnen. Gar zu lange war die Anlage in 1-A-Lage verrottet, bald soll sie wieder weithin (aus)strahlen.

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