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Hamburg Neue Moschee in ehemaliger Kirche
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22:08 26.09.2018
Hamburg

Die Umwandlung der Kirche in eine Moschee gilt als deutschlandweit einmaliges Projekt. Anders als andere Moscheebauten, wie etwa der vor der Eröffnung stehende Bau in Köln, stieß das Vorhaben in Hamburg auf keinen Protest.

"Leuchtturm des moderaten Islams"

Die 1961 geweihte Kirche war Weihnachten 2002 entwidmet worden. Die Sanierungskosten von 1,5 Millionen Euro überforderten die evangelisch-lutherische Gemeinde. Jahrelang stand das Gebäude leer und verfiel. Ein privater Investor übernahm die Kirche 2005 und bot sie 2012 im Internet an. Das Islamische Zentrum Al-Nour kaufte das Gebäude für knapp eine Million Euro. Der sich anschließende Umbau kostete weitere vier Millionen Euro. Das Emirat Kuwait half mit einer Spende von 1,1 Millionen Euro. Bedingung sei gewesen, dass die Moschee offen für alle sei und zu einem "Leuchtturm des moderaten Islams" werde, sagte der Imam.

Direkt von der damaligen Nordelbischen Kirche hätten die Muslime das Gebäude nicht übernehmen können. Seit 2007 hat die Landeskirche in einer Rechtsverordnung festgelegt, dass Kirchen nur an christliche oder - als Ausnahme - jüdische Religionsgemeinschaften verkauft werden dürfen. Die neue Al-Nour-Moschee wird von beiden Seiten als Sonderfall bezeichnet.

Außen Kirche, innen Moschee

"Wir hatten nie im Sinn, eine Kirche zu kaufen", sagte der Vorsitzende des Islamischen Zentrums, Daniel Abdin. "Wir möchten, dass die Kirche Kirche bleibt." Das Projekt sei anfangs auf Vorbehalte gestoßen. Es sei darum das Ziel seiner Gemeinde, Vorurteile und Ängste abzubauen. "Ich bin überzeugt, dass diese Moschee die interreligiöseste Stätte Deutschlands wird", sagte der libanesisch-stämmige Kaufmann und Sozialarbeiter. Er bekräftigte das Motto des Umbaus: "Außen Kirche, innen Moschee." Aus Respekt vor der christlichen Geschichte des Gebäudes wählte das Al-Nour-Zentrum für die Eröffnungsfeier eine Koransure aus, die die Geschichte Marias erzählt. Die Sure ziert die Empore für Frauen in der Moschee.

Beispiel für interreligiöse Offenheit

Auch der Direktor des Zentrums für Mission und Ökumene in der Nordkirche, Klaus Schäfer, betonte die Einmaligkeit des Projekts und versicherte: "Hier wird nicht eine Religion durch eine andere abgelöst." Durch ihr transparentes Vorgehen habe das Al-Nour-Zentrum ihre neue Moschee zu einem "leuchtenden Beispiel interreligiöser Offenheit" gemacht.

Der Leiter der Hamburger Senatskanzlei, Christoph Krupp, erinnerte an die anfänglichen Reaktionen auf den Kauf des Kirchengebäudes. «Die Übernahme löste gemischte Gefühle aus», sagte Krupp. Es habe Ängste und Verärgerung gegeben, auch auf muslimischer Seite. Das Islamische Zentrum habe jedoch Christen und Muslime in einen Dialog verwickelt.

Projekt bleibt eine Ausnahme

"Heute ist ein Freudentag", sagte der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek. Ein Gotteshaus bleibe ein Gotteshaus. Durch den Umbau zur Moschee werde das historische Erbe der ehemaligen Kirche bewahrt. Dennoch sei das Projekt kein Modell und bleibe eine Ausnahme.

Mazyek beklagte eine Zunahme von Übergriffen auf Moscheen und andere Gotteshäuser. "Wir gehen schweren Zeiten entgegen", sagte der Zentralratsvorsitzende. Er erwähnte die rechtsradikalen Hassparolen, die Anfang September auf das neue Moscheegebäude geschmiert worden waren. "Wir müssen uns wehrhaft zeigen", appellierte er an alle Demokraten. Islam und Grundgesetz schlössen sich nicht aus, so Mazyek.

Das 1993 gegründete Al-Nour-Zentrum verfügt bereits über eine Moschee in einer ehemaligen Tiefgarage im Stadtteil St. Georg. Dort beten jeden Freitag nach Angaben von Abdin rund 2500 Gläubige, in zwei Durchgängen. In der neuen Moschee finden nur gut 400 Gläubige Platz. Seine Gemeinde sei darum weiter auf der Suche nach einem Grundstück oder einem Gebäude für eine weitere Moschee.

Von dpa

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