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10:08 29.11.2014
Von Ulrich Metschies
So soll das Ostsee-Resort Olpenitz einmal aussehen. 2500 Betten wird es am Ende geben, 350 Millionen Euro sollen investiert werden. Quelle: Grafik Helma
Olpenitz

Wenn man die Augen schließt, dann sieht man sie noch: die rot geklinkerten Mannschaftsunterkünfte, die Sporthalle, die Stabsgebäude und Trafohäuser, die Schnellboote und Minensucher. Auch die Geschwaderbrücken, die wie Betonfinger in den Hafen ragten. Und die Soldaten natürlich, die im Marinehafen Olpenitz Dienst taten – bis 2006 die Lichter ausgingen. 2500 Menschen haben hier gearbeitet. Damit war der Stützpunkt die wirtschaftliche Daseinsberechtigung der 8700-Einwohner-Stadt Kappeln.

Der Däne Per Barlag Arnholm ist Geschäftsführender Gesellschafter der Helma Ferienimmobilien GmbH mit Sitz in Berlin. (Foto: Sonja Paar)

Wenn man die Augen öffnet, sieht man: eine Baustelle. Überall wuseln Handwerker herum. Es wird gebaggert, gehämmert, gesägt, verkabelt. Möwengeschrei mischt sich mit dem Rattern von Betonmischmaschinen. Nur noch Schutthaufen erinnern an die Dienstgebäude aus den 60er-Jahren. Ferienstimmung kommt da nicht auf. Noch nicht.

Der Wind ist beißend kalt auf der Nordmole. Ein paar Sonnenstrahlen immerhin schaffen es durch die Novemberwolken und lassen das aufleuchten, was schon fertig ist – oder fast fertig. Die neun weißen Hafenhäuser direkt auf dem Kaianleger etwa, jedes mit vier Ferienwohnungen. Nach vorne Stellplätze und ein wenig Grün, nach hinten die Terrasse mit Schiffsreling und Hafenblick. Das Boot gleich hinter dem Haus, da pocht das Seglerherz. Jürgen Geißler und Barbara Sakeschewski sind extrem begeistert: „Super hier, und die Häuser passen auch gut in die maritime Landschaft.“ Seit 35 Jahren kommt das Paar aus dem Ruhrpott zum Ostseeurlaub an die Schlei. Eine Immobilie kaufen wollen sie nicht, nur mal schauen, ob es vorangeht in Olpenitz. Es geht voran: Alle 36 Ferienwohnungen des ersten Bauabschnittes sind vergeben. Kostenpunkt: 300000 bis 350000 Euro.

Der Anfang ist gemacht: Neun Häuser mit insgesamt 36 Ferienwohnungen gehören zum ersten Bauabschnitt, sie sind allesamt verkauft. Vor allem Kapitalanleger aus Hamburg und Berlin zeigten Interesse. (Foto: Sonja Paar)

Es sind fast ausschließlich Kapitalanleger, die hier zuschlagen. Dass einer aus der Region stamme, sei ihm nicht bekannt, sagt Per Barlag Arnholm, die meisten kämen aus Hamburg oder Berlin. Der Däne, 53, ist Geschäftsführender Gesellschafter der Helma Ferienimmobilien GmbH mit Sitz in Berlin. 2013 hatte die börsennotierte Muttergesellschaft den Löwenanteil der 170 Hektar aus der Insolvenz der Port Olpenitz GmbH herausgekauft. Helma machte Tempo und stutzte das Projekt auf ein realistisches Maß zurecht. Aus 7000 Betten wurden rund 2500, aus einer Investitionssumme bis zu 700 Millionen Euro gut die Hälfte, aus einigen Tausend Yacht-Liegeplätzen 300 bis 400. Auch von „drei bis vier Hotels“ ist nicht mehr die Rede, sondern nur noch von einem. In sieben Jahren soll das Ostsee-Resort Olpenitz fertig sein, sagt Arnholm: „Es läuft hervorragend, wir liegen absolut im Zeitplan.“ Gebaut wird auch auf der Südseite des einstigen Stützpunktes, da, wo früher der Versorgungshafen war. Rund 100 „Kapitänshäuser“ werden hier entstehen, sagt Arnholm, elf davon seien bereits verkauft. Mitte 2017 soll ein 180-Betten-Hotel eröffnen, der Vertrag mit dem Betreiber Upstalsboom ist bereits unterschrieben. Der Großteil der ehemaligen Militärfläche soll in einen Ferienpark mit 350 Häusern und Wohnungen verwandelt werden. Dazu kommen: Hafenpromenade, die Marina, ein maritimes Zentrum sowie eine Bootsmanufaktur mit Winterlager. Über das Werftareal spricht Arnholm bereits mit einem Hamburger Investor.

Das alles sind Pläne. Die hatten auch der gescheiterte Port-Olpenitz-Visionär Jaska Harm und US-Kapitalgeber EQK. Und noch immer ist erst ein Bruchteil des Ostsee-Resorts gebaut. Dennoch ist Heiko Traulsen zuversichtlich, dass es diesmal klappt. „Wenn man sieht, was in den vergangenen zwölf Monaten hier passiert ist, dann kann man nur optimistisch sein“, sagt Kappelns parteiloser Bürgermeister. Die Zusammenarbeit mit Helma sei „sehr vertrauensvoll“. Nach dem Tiefschlag durch den Marineabzug erhalte die Stadt eine ganz neue Perspektive. Ob Einzelhandel, Handwerk oder Gastronomie:„Alles hier wird beflügelt.“

Jürgen Geißler und Barbara Sakeschewski machen seit 35 Jahren Urlaub an der Schlei. Sie sind begeistert vom neuen Olpenitz. (Foto: Sonja Paar)

Doch bevor sie die Früchte ernten kann, muss die Kommune viel Geld in die Hand nehmen. Schließlich gilt es, die Infrastruktur der verträumten Kleinstadt auf den erhofften Urlauberansturm vorzubereiten. Vor allem das Fuß- und Radwegenetz muss ausgebaut werden, und Parkplätze sind im Sommer heute schon knapp. „Das ist für uns auch eine große Herausforderung“, sagt der Bürgermeister.

Vom Bau des Ostsee-Resorts profitiert die Region jedoch heute schon. Zwar sieht man auf der Baustelle auch Fahrzeuge mit polnischem Kennzeichen, doch die meisten haben ein „SL“-Nummernschild. „Vom Dachdecker bis zum Heizungsbauer – das Gros der Betriebe kommt aus Kappeln“, sagt Traulsen.

Auch Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) zeigt sich mit der Entwicklung „sehr zufrieden“. Zwar sei das bislang größte Konversionsprojekt des Landes im Umfang reduziert, damit zugleich aber auf eine realistischere Basis gestellt worden: „Nun kommt es darauf an, das Projekt so auszurichten, dass es sich nahtlos in die Tourismusstrategie des Landes und die Ziele der Ostsee-fjord-Schlei-Region einfügt.“

 Die Marine ist Vergangenheit. Doch wenn man die Augen wieder schließt in Olpenitz, dann sieht man noch den Albatros, der Jahrzehnte den Eingang zum Stützpunkt bewachte. Es gibt ihn noch: Die frühere Galionsfigur der „Gorch Fock“ beschützt heute die Zufahrt zur Kappelner Schleibrücke.

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