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Hamburg Schleswig-Holstein setzt auf Glück
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19:04 04.12.2014
Von Bastian Modrow
Das neue Motto für den Tourismus in Schleswig-Holstein: Glückswachstumsgebiet. Quelle: Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein
Kiel

Die glücklichsten Menschen Deutschlands leben in Schleswig-Holstein. Nein, dies ist keine abstruse These findiger Marketing-Strategen. Es ist das Ergebnis repräsentativer, wissenschaftlich fundierter Studien der Deutschen Post, laut deren Glücksatlas die zufriedensten Menschen nun einmal im nördlichsten Bundesland zu Hause sind. Soweit die Vorgeschichte für das, woran in den vergangenen fünf Monaten die Werbestrategen gefeilt haben. Herausgekommen ist die neue Tourismus-Strategie des Landes – und die soll vor allem eines machen: Glücklich!

„Überreicht man einem Menschen ein Geschenk, erfreut dies nicht nur den Beschenkten, es macht einen auch selbst nachweislich glücklich“, erklärt Andrea Gastager. Eine klassische Win-Win-Situation also, die die Geschäftsführerin der Tourismusagentur Schleswig-Holstein (Tash) jetzt auf die Vermarktung des Landes zwischen den Meeren übertragen und für Gäste und Einheimische spürbar machen will. Schleswig-Holstein soll sich als „Glückswachstumsgebiet“ etablieren und der Tourismus nachhaltig finanziell profitieren. Das Ziel ist fixiert: Bis zum Jahr 2025 soll die Zahl der Übernachtungen von 24,5 auf 30 Millionen steigen, das Land bundesweit zu den Top 3 der zufriedensten Gästen zählen und der touristische Bruttoumsatz von gegenwärtig 6,9 Milliarden Euro um 30 Prozent wachsen.

Ehrgeizige Ziele, die eine konsequente Neuausrichtung erforderlich machen. „Wir brechen bewusst mit Marketingansätzen“, sagt Gastager. Klischees wie blühende Rapsfelder, immerwährender Sonnenschein und lachende Fotomodelle sind Geschichte: „Wir zeigen den echten Norden – so, wie er wirklich ist“, lobt die Tash-Chefin. Nirgendwo würden die Menschen so im Einklang mit der Natur leben wie hier. „Schleswig-Holsteiner nehmen das Leben so wie es ist, ob Sonnenschein oder Windstärke fünf. Sie lehnen Gekünsteltes ab und stehen für das Echte“, umschreibt die 47-Jährige das Motto der neuen Kampagne, die genau auf diese Eigenschaften abzielt.

Erste Eindrücke präsentierte die Tash gestern beim Tourismustag in Westerland. Gezeigt wurden Fotos und Image-Filme, die auf Wind und Wetter abzielen – „auf das Glück, das Urlauber speziell in der Nebensaison im Urlaubsland Schleswig-Holstein erleben können“, erläutert Gastager. Eine wichtige Rolle bei der neuen Ansprache potenzieller Urlauber sollen zunächst die ersten vier neuen Image-Filme spielen. „Sie sind die ersten Lustmacher für unser Glückswachstumsgebiet“, ist Gastager überzeugt. Begleitet werden Menschen bei einem Strandspaziergang im Wind, einem Segeltörn bei aufgepeitschter See und beim Matschen im Wattenmeer. „Kein Text, keine Musik, allein die gewaltigen Bilder der Natur und ihre Klänge stützen die Filme“, betont die Tourismus-Strategin und lobt die moderne Sprache der Kampagne, zu der auch Interaktion per Internet gehören: „Orte und Momente werden von den Gästen, aber auch von den Einheimischen selbst per App und via Internet mit anderen Nutzern geteilt“, erklärt Gastager.

Emotional. Echt. Glücklich. Das sind die neuen Schlagworte des Marketings. Nur: Das allein wird nicht ausreichen, um das Urlaubsland Schleswig-Holstein voranzubringen. Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) appellierte eindringlich an die 400 anwesenden Vertreter der Tourismusbranche, neue und hochwertige Beherbergungskapazitäten im Land zu schaffen. „Nur mit hoher Qualität machen wir aus Tagesgästen Sommerurlauber und aus Zufallsgästen Dauerkunden – und nur mit hoher Qualität wird es uns auch gelingen, Ganzjahres-Destination zu werden“, bekräftigt Meyer.

Wie wichtig die Nebensaison ist, zeigt schon einmal die aktuelle Statistik: Die Zahl der Übernachtungen nahm in den ersten neun Monaten um 5,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu. „Schleswig-Holstein liegt deutlich über dem Bundesschnitt von vier Prozent“, sagt Meyer. Und Gastager ergänzt: „Ein Wachstum, das wir vor allem der Vor- und Nachsaison zu verdanken haben.“ Ein positives Signal, das – richtig – glücklich macht.

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