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Hamburg Kampf dem Katzenelend
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19:41 13.10.2014
Von Ulf B. Christen
Bis Ende 2015 sollen in Schleswig-Holstein rund 5000 Katzen kastriert werden. Quelle: Grit Büttner/dpa
Kiel

„Die Zahl frei lebender Katzen steigt stetig“, mahnte Umwelt-Staatssekretärin Silke Schneider. Derzeit streunen etwa 75000 Katzen durch Schleswig-Holstein. Viele finden kaum Nahrung, sind krank, vermehren sich aber dank frei laufender Hauskatzen prächtig. Mit sechs Monaten ist eine Katze geschlechtsreif, bis zu 35 Nachkommen kann sie jährlich werfen.

„Wir wollen die Halter motivieren, ihre Tiere kastrieren, chippen und in einer Datenbank erfassen zu lassen“, sagte Schneider. Geplant sind drei landesweite Aktionsmonate, der erste vom 15. Oktober bis 14. November. In diesen Wochen kastrieren die etwa 500 Tierärzte in Schleswig-Holstein frei lebende Katzen zum Nulltarif. Kostenlos ist die Katzen-OP auch für bedürftige Tierhalter, etwa Hartz-IV-Empfänger.

Der Otto-Normal-Steuerzahler profitiert ebenfalls. In den Aktionswochen verzichten die Tierärzte auf 25 Euro ihres Honorars. Die Kastration eines Katers vergünstigt sich damit auf rund 50 Euro, die einer weiblichen Katze im ersten Schritt auf etwa 100 Euro. Im zweiten Schritt übernimmt der Katzenfonds nochmals 25 Euro, so dass die Entfernung der Eierstöcke am Ende 75 Euro kostet.

Für die Aktionswochen (geplant auch vom 15. Februar bis 31. März 2015 sowie vom 1. bis 30. September 2015) liegen insgesamt 150000 Euro bereit. Der Löwenanteil kommt aus dem öffentlichen Bereich. Das Umweltministerium steuert 35000 Euro bei, ein Fonds der Stiftung Naturschutz weitere 50000 Euro. Mit im Boot sind auch der Deutsche Tierschutzbund (20000 Euro), der Landestierschutzverband (10000 Euro) sowie eine Bürgerin mit großem Herz für Tiere. Sie spendete für den Katzenfonds 35000 Euro.

Der Präsident der Tierärztekammer Schleswig-Holstein, Jens-Peter Greve, erinnerte an die guten Erfahrungen, die bei einem Modellprojekt im Kreis Nordfriesland gesammelt wurden. Dort ließen mehrere Hundert Bürger dank Sondertarif Katzen kastrieren. Die Kreise, Städte und Gemeinden stehen ebenfalls hinter dem Projekt. „Uns geht es darum, die Kosten der Kommunen für Fundtiere zu senken und die Verwaltungen zu entlasten“, sagte der Vize-Geschäftsführer des Gemeindetags, Jochen Nielsen.

Große Hoffnungen haben auch die Tierschützer. „Wir versprechen uns von dem Projekt auf längere Sicht eine Entlastung der Tierheime“, sagte der Vorsitzende des Tierschutzbundes, Holger Sauerzweig-Strey. „Die Probleme, die von großen Populationen frei lebender Katzen ausgehen, nämlich kranke und schlecht versorgte Tiere, sind regional teilweise sehr drängend.“

Schneider hofft, dass in den Aktionswochen 5000 weibliche Stubentiger kastriert werden, um so Katzenelend zu verhindern. Zuversichtlich ist die Leiterin des Kieler Tierheims, Elisabeth Haase. Sie erinnert an frühere und erfolgreiche „Kastrationswochen“. Zwei bis drei Jahre später seien deutlich weniger Kätzchen im Tierheim abgegeben worden.

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