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Übung für atomares Unglück

Hubschrauber unternehmen Messflüge Übung für atomares Unglück

Training für ein bedrohliches Szenario: Wenn es in Deutschland je zu einem atomaren Unfall kommen sollte, will man gewappnet sein. Jedes Jahr gibt es deshalb Übungsflüge mit Hubschraubern, die radioaktive Strahlung aus der Luft messen - dieses Mal in Norddeutschland.

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Zwei Maschinen werden bis zum 27.09.2012 mit Messgeräten und Mitarbeitern des Bundesamtes für Strahlenschutz Messungen in der Umgebung von Kernkraftwerken im Norden durchführen.

Quelle: dpa

Fuhlendorf. In Schleswig-Holstein und Niedersachsen haben am Dienstag Übungsmessflüge mit Hubschraubern für das Szenario eines atomaren Unfalls begonnen. „Wir bewegen uns in einem Feld, das hoffentlich nie zum Einsatz kommt“, sagte der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), Wolfram König, am Dienstag in Fuhlendorf (Kreis Segeberg). Bei der Übung wird radioaktive Strahlung von der Luft aus gemessen. Dazu sind in den kommenden Tagen zwei Hubschrauber der Bundespolizei in der Umgebung der stillgelegten Atomkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel sowie des Atommeilers Brokdorf und im Gebiet um das frühere Kernkraftwerk Stade unterwegs.

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Zwei Maschinen werden bis zum 27.09.2012 mit Messgeräten und Mitarbeitern des Bundesamtes für Strahlenschutz Messungen in der Umgebung von Kernkraftwerken im Norden durchführen.

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Die Übung diene der Vorsorge, beispielsweise für den Fall, dass nach einem Unfall in einem Kernkraftwerk radioaktive Strahlung freigesetzt wird, sagte König. „Im Ernstfall wollen wir zeitnah klare, eindeutige und verlässliche Daten ermitteln.“ Das sei wichtig, damit Behörden Maßnahmen für einen effektiven Schutz der Bevölkerung ergreifen könnten und um Vertrauen zu sichern. König verwies auf die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986. „Das war eine Initialzündung für uns, weil es sehr verschiedene Bewertungen gab“, sagte König. Dies habe das Vertrauen in staatliche Institutionen schwer erschüttert. Denn für den Ernstfall gelte: „Mit unseren Sinnesorganen können wir nicht selbst beurteilen, wie stark oder schädlich die Strahlung ist. Wir sind auf technische Messdaten angewiesen.“

Messungen von Hubschraubern aus seien auch dann schnell und großflächig möglich, wenn etwa Messstationen am Boden nach einem Atomunfall ausgefallen seien, betonte der BfS-Präsident. Dies sei etwa nach der Katastrophe im japanischen Fukushima 2011 der Fall gewesen. Die USA hätten daher schließlich mit Messflügen verlässliche Werte erhoben. In Deutschland will man für einen Ernstfall gewappnet sein. Deshalb werden solche Messflüge wie jetzt in Norddeutschland seit den 90er Jahren jährlich in jeweils unterschiedlichen Regionen der Bundesrepublik geübt. Das Ziel: Mess- und Auswertungsverfahren und das Zusammenspiel von BfS und Bundespolizei weiter verbessern.

König betonte: „Wir sind innerhalb weniger Stunden bereit, Daten zu erheben.“ In einem Zeitraum von rund drei Stunden könne eine Fläche von rund 70 Quadratkilometern untersucht werden. Klaus-Jürgen Jess, Einsatzleiter der Bundespolizei, berichtete: Je nach Übungsgebiet können die Messflüge „fliegerisch anspruchsvoll“ werden. Die Hubschrauber müssten sich konstant in rund 100 Metern Höhe in vorgegebenen Bahnen über der Erde bewegen. „Für die Bevölkerung sind außer einer gewissen Lärmbelästigung keine Nachteile oder gar Risiken zu befürchten“, betonte Jess. Die Hubschrauber dürften zudem keine Kernkraftwerke überfliegen. Die ermittelten Daten werden den Behörden in Niedersachsen und Schleswig-Holstein zur Verfügung gestellt.

König warb um Verständnis für die Übungsmessflüge — trotz des für Deutschland festgelegten Atomausstiegs bis zum Jahr 2022. Bei vielen Menschen sei vielleicht auch dadurch der Eindruck entstanden, dass man hierzulande von einem atomaren Unfall sehr weit entfernt sei und solche Übungen unnötig seien, meinte er. Aber: „Bis zur Abschaltung aller Kernkraftwerke vergehen noch mindestens zehn Jahre“, betonte der BfS-Präsident. Auch abgeschaltete Anlagen würden „über einen Zeitraum x ein erhebliches Risiko beinhalten“. Außerdem blieben kerntechnische Anlagen wie etwa Zwischenlager oder Fertigungsstätten bestehen.

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