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Hamburg Großeinsatz gegen Mietwucher in Hamburg
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18:02 19.04.2018
Polizeikräfte stehen vor einem ehemaligen Hotel im Stadtteil Wandsbek. Die Hamburger Behörden haben in einer großangelegten Aktion ein Gebäude überprüft, in dem womöglich unerlaubterweise Menschen wohnen würden, zudem könnte das Haus überbelegt sein und das Jobcenter zu hohe Mieten zahlen, teilte eine Pressesprecher der Stadt mit. Quelle: Daniel Bockwoldt/dpa
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Hamburg

Hamburg macht ernst im Kampf gegen die Ausbeutung vor allem von Osteuropäern durch skrupellose Mietwucherer in der Hansestadt. Bei einer Razzia überprüften rund 150 Behördenmitarbeiter und Polizisten am Donnerstag ein Haus in Hamburg-Wandsbek, in dem vor allen Bulgaren wohnen. In dem als Hotel angemeldeten Gebäude, in dem auch ein Bordell betrieben wird, sind laut Sozialbehörde Menschen unerlaubt dauerhaft in kleinen Appartements untergebracht - offensichtlich auch mehr als gemeldet. Bewohner hätten angegeben, auch Zusatzmieten zumeist in bar leisten zu müssen. Knapp der Hälfte der Bewohner wurde die eigentliche Miete vom Jobcenter bezahlt.

Es war bereits der vierte sogenannte Aktionstag, bei dem mehrere Behörden - darunter Sozialamt, Bezirksamt, Jobcenter, Steuerfahndung sowie der Zoll - zusammenarbeiten. "Der heutige Einsatz zeigt erneut, wie wichtig ämterübergreifendes Handeln ist", sagte Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD). "Mit den Aktionstagen nehmen wir Eigentümer ins Visier, die Menschen ausnutzen."

Der Mieterverein zu Hamburg begrüßte die Aktion. "Das hat eine extrem stark präventive Wirkung", sagte der Vorstandsvorsitzende Siegmund Chychla. "Diejenigen, die solche Menschen ausbeuten, wissen nun, dass so etwas jetzt tatsächlich verfolgt wird."

"Wir wollen an die Hinterleute"

Menschen aus Osteuropa hätten auf dem Hamburger Wohnungsmarkt wenig Chancen, sagte der Sprecher der Sozialbehörde, Marcel Schweitzer. "Das nutzen einzelne Leute aus. Die betreiben dann ein solches Haus." Gegen diese Leute richte sich der Schwerpunkteinsatz. "Wir wollen an die Hinterleute. Wir wollen nicht, dass Menschen ausgebeutet werden."

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Dem Vernehmen nach handelt es sich bei dem Hauseigentümer um einen Hamburger Geschäftsmann. Die Behörden machten allerdings keine Angaben zur Identität des Hausbesitzers. Er sei aufgefordert worden, Mängel zu beheben. Ein Zimmer sei derart vermüllt gewesen, dass es im gesamten Haus eine "drastische Geruchsentwicklung" gegeben habe.

Der Einsatz begann morgens um 6 Uhr und dauerte dreieinhalb Stunden. Etwa 90 Behördenmitarbeiter waren im Einsatz. 60 Polizeibeamten sicherten die Razzia. "Wir haben die Bewohnerinnen und Bewohner freundlich gefragt, ob wir eintreten dürfen", sagte Schweitzer. Viele hätten sich gefreut, "dass überhaupt mal jemand vorbeikommt und nachfragt". In dem Haus seien neben Einzelpersonen auch Familien mit Kindern untergebracht. 93 Bewohner seien in dem Haus gemeldet, 71 habe man angetroffen, darunter aber auch nicht dort gemeldete.

Zum Wohnen nicht geeignet

In den Appartements seien Küche und Wohnzimmer in einem Raum untergebracht. Außerdem verfügten sie über ein kleines Bad. "Für ein Hotel ist das okay, zum Wohnen ist das nicht geeignet, weil auf den einzelnen Zimmern mehr Menschen wohnen, obwohl sie dort nicht wohnen dürfen", sagte Schweitzer. Aus Brandschutzgründen wurden drei Zimmer sofort stillgelegt. Zwei Bewohner wurden in einer Ersatzunterkunft von der Stadt untergebracht. Zwei weitere Bewohner kamen bei Bekannten unter.

Das Jobcenter prüfe, ob die Miete, "die wir als Sozialleistung für Menschen übernehmen, nicht zu hoch ist". Dazu seien die betroffenen Wohnungen ausgemessen worden.

Von dpa

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