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Vorsicht vor giftigen Doppelgängern

Pilzsaison beginnt Vorsicht vor giftigen Doppelgängern

Sie haben so exotische Namen wie Lila Lacktrichterling, Hexenröhrling oder Spitzgebuckelter Raukopf und ihre Saison hat begonnen: Über 5000 verschiedene Pilzarten in Schleswig-Holstein locken zunehmend mehr Sammler in die Wälder. Aber Vorsicht: Wer nicht genau weiß, was pfannentauglich ist oder nicht, sollte lieber die Pilzsachverständigen des Vereins Kieler Pilzfreunde zurate ziehen.

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Pilzexpertin Vivien Bedregal rät zur Vorsicht beim Sammeln.

Quelle: Peter

Kiel. Vivien Bedregal ist gerüstet: Mit Gummistiefeln, Spezialmesser und luftigem Weidenkorb ausgestattet, schreitet die Pilzexpertin und Vorsitzende der Kieler Pilzfreunde zügig durch den lichten Buchenwald. „Da waren die Schnecken mal wieder schneller“, konstatiert sie trocken beim Anblick eines zerfressenen Täublings. Auch Rehe und Eichhörnchen knabbern gerne am Wildpilz, doch im Gegensatz zum Menschen macht es ihnen nichts aus, wenn sie zufällig mal ein giftiges Exemplar erwischen. Das gilt sogar für den gefährlichen Knollenblätterpilz, dessen Genuss beim Menschen zum Tod führen kann. „Den muss einfach jeder kennen, der Speisepilze sammeln will“, betont Vivien Bedregal.

 In Pilzkursen vermittelt die 45-jährige Mielkendorferin in jedem Herbst theoretisches und praktisches Wissen über Wildpilze. Als eine von sieben geprüften Pilzsachverständigen des Landes ist sie außerdem für die Giftnotruf-Beratung zuständig. Doch glücklicherweise handelt es sich bei den „Notfällen“ nicht immer um Vergiftungen. Auch essbare Pilze können Unwohlsein und Magen-Darm-Verstimmungen auslösen: „Wildpilze sind schwer verdaulich.“

 Fast jede Gattung hat einen giftigen Doppelgänger. Wer jedoch bereit ist, sich Wissen anzueignen und ein paar Grundregeln zu befolgen (siehe rechts), kann sich auf eine Bereicherung des heimischen Speiseplans freuen. Die Pilzsaison dauert bis zum ersten Frost. Bis dahin sind auch in den Wäldern in und um Kiel viele essbare Pilze zu finden, die am besten bei feuchter, milder Witterung sprießen: „Jetzt wachsen Steinpilze, Maronen, Rotfüße, Pfifferlinge, Perlpilze und Wiesenchampignons“, sagt Vivien Bedregal. Sie zu finden, sei gar nicht so schwer. „Wo fünf Bäume zusammenstehen, findet man auch immer ein paar Pilze.“ Und die seien „standorttreu“. Am besten hebt man die Pilze mit einem Messer aus oder dreht sie vorsichtig heraus, um sie nicht zu beschädigen. Bei der Bestimmung rät Vivien Bedregal dringend von älteren Pilzbüchern ab. Viele Pilze, die zu Großvaters Zeiten noch als essbar deklariert worden seien, seien nach heutigem Wissen ungenießbar oder sogar giftig. „Die Welt der Pilze ist so groß, dass man sie nie alle kennen kann.“

 Um diese Welt erlebbar zu machen, lädt der Verein Kieler Pilzfreunde am Wochenende 22./23. September jeweils von 10 Uhr bis 17 Uhr zu seiner zweiten Pilzausstellung ein. Unter dem Motto „Pilze zwischen den Meeren“ können sich Besucher in der Jachtwerft Dick, Schleusenstraße 30, über rund 300 Pilzarten informieren, Pilze von Experten begutachten lassen oder selbst mikroskopieren. Der Eintritt kostet drei Euro, Kinder zahlen nichts.

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Ein Artikel von
Carola Jeschke
Lokalredaktion Kiel/SH