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Hamburg Wacken ist kein Kindergeburtstag
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00:18 03.08.2013
Von Jürgen Küppers
Pümpel mit Perücke auf dem Kopf, Metal im Sinn: So feiert Sebastian (rechts) mit Kumpel Philipp. Quelle: Manuel Weber
Wacken

Gabriela Iwohn und ihre Kollegen sind auf diesen Hauptkampftag bestens vorbereitet. Normalerweise bestücken sie den Obi-Markt in Heiligenstedten mit Schrauben, Stichsägen oder Farbtöpfen. Jetzt sortieren sie in der Wackener Hauptstraße unter großen Sonnenschirmen eher Sonnenmilch, Strohhüte und Dosenöffner in die vielen Körbe. Doch die Renner in diesem Open-Air-Baumarkt mit Metal-Spezialsortiment sind jetzt Gummistiefel, Klappsessel und Pavillons.
Doch wie sollen die ganzen neuen Sachen plus schwerem Gepäck plus Bierpaletten in die etwa einen Kilometer entfernte Zeltstadt? Bjarne (13) und seine Kollegen warten schon in Reih und Glied wie an einem Taxistand auf bepackte Kundschaft. Zwischen fünf und zehn Euro nehmen die Schüler für den Transport auf Hängern oder Bollerwagen hinter ihren Gokarts und Fahrrädern. Das Geschäft lohnt sich offenbar. Im vergangenen Jahr brachte es Bjarne über 200 Euro ein.
Wer für Service und Proviant Geld ausgeben will, muss auch welches haben. Mark aus Dortmund hat erstmal keins, wie viele andere auch, und reiht sich an der Hauptstraße in die endlos lange Schlange vor dem Geldautomaten ein. „150 bis 200 Euro werd ich schon brauchen.“ Pro Tag, wohlgemerkt. „Ohne Moos ist auch hier nix los“, sagt der 29-Jährige, der zur dringenden „Flüssigkeitsnachladung“ auch finanziell flüssig werden muss. „Hoffentlich klappt das, der andere Geldautomat im Dorf ist schon leer.“
Den ersten Nachladedruck hat Matthias aus Darmstadt gegen 12 Uhr mittags mit seinen Kumpels in der „Manamana-Bar“ bereits ausgeglichen. „Nirgendwo im Dorf gibt es besseres Frühstück“, ruft der gerade promovierende Physikstudent, der schon am Montag anreiste. Und die Clique ehemaliger Studienfreunde, die im Vorgarten auf Paletten statt Stühlen vor ansehnlichen Batterien geleerter Bierdosen und Schnapsfläschchen hockt, signalisiert mit hörbar angegriffenen Stimmbändern Zustimmung.
Auch die Wackener bringen sich schon mal in Stimmung für das Hauptevent des Festival-Vorabends: den traditionellen Auftritt der örtlichen Feuerwehrkapelle, die sich dann „Wackener Firefighters“ nennt. „Jeden Morgen um 10 ist Angrillen mit Kumpels und Nachbarn bis zum Start der Konzerte. Egal, wie kurz die Nacht vorher war“, erzählt Jürgen Klawitter (21) am Grill unterm Carport vor seiner Wohnung und genießt den Urlaub vom Klempnerjob. „Disziplin muss sein. Das Festival ist schließlich kein Kindergeburtstag.“
Das sieht auch Roul Åkesson so, der in seiner Biker-Kutte so aussieht wie ein Metal-Fan. Ist er aber nicht. Denn der Biker-Pastor aus Schweden ist im Auftrag des Herrn unterwegs, will mit seiner internationalen Truppe rund 20000 kostenlose „Metal-Bibeln“ unters Feiervolk bringen. „Eigentlich ist Metal ja satanische Musik“, sagt der 54-Jährige, der gerade 20000 Bibeln bei einem Harley-Treffen in Rom verteilte – finanziert von Freikirchen und Sponsoren. „Aber wir lieben alle Menschen. Und wollen ihnen Frieden und Zuversicht bringen.“ Dann spricht der Pastor für die Reporter ein improvisiertes Gebet. Direkt an der höllisch lauten Straße, die jetzt ein „Highway to Heaven“ ist.

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