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Hamburg Hamburg: 1,7 Millionen Euro veruntreut
Nachrichten Hamburg Hamburg: 1,7 Millionen Euro veruntreut
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21:23 13.11.2018
Ein Kollege hatte dem Angeklagten davon erzählt, wie man an der Börse das schnelle Geld machen könne. Quelle: Boris Roessler/dpa
Hamburg

Es fing alles ganz harmlos an. Ein Kollege hatte ihm davon erzählt, wie man an der Börse das schnelle Geld machen könne: Indem man mit Wertpapieren darauf spekuliert, ob der Dax fällt oder steigt. Am Anfang habe er noch mit seinem eigenen Geld gespielt, dann Kredite aufgenommen, später seinen Vater um Geld gebeten. Dann sei ihm der «fatale Gedanken» gekommen, das Geld von der Bank zu nehmen, um die Schulden begleichen zu können.

Am Ende hatte er 1,7 Millionen Euro veruntreut. Dafür wurde der ehemalige stellvertretende Leiter einer Bankfiliale am Dienstag in Hamburg vom Amtsgericht Barmbek zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. (Az. 842 Ls 225/16)

«Ich bereue meine Taten zutiefst», hatte der Angeklagte gleich zu Beginn der Verhandlung gestanden. Es tue ihm sehr leid. Aber er habe in einer «komplett anderen Welt» gelebt. Er habe vollkommen den Überblick und jeglichen Halt verloren. «Aber ich schaffte es nicht, auszubrechen, der Druck zu gewinnen wurde nur immer größer.»

Insgesamt hatte der Banker 95 Konten für erfundene Personen angelegt. Anschließend gewährte er den angeblichen Kontoinhabern im Rahmen seiner Verfügungsmacht Dispositionskredite und Privatdarlehen und überwies das Geld auf seine eigenen Konten.

Schwierige Kindheit des Angeklagten

Ein Gutachter bestätigte, dass er dem Angeklagten seine Spielsucht komplett abnehme. Es sei dem 44-Jährigen nie darum gegangen, sich persönlich zu bereichern. Er weise dagegen die «typische Dynamik eines Spielsüchtigen aus».

Einen Grund für sein Verhalten sah der Gutachter in der schwierigen Kindheit des Angeklagten. Der Vater sei gefühlskalt gewesen und wollte noch nicht einmal umarmt werden, die Mutter stand wegen ihrer Alkoholsucht ebenfalls nur eingeschränkt zur Verfügung. Dieser Mangel an Lob und Anerkennung sei nie kompensiert worden und zeigte sich «in einer Spielsucht, die völlig aus dem Ruder gelaufen ist.»

Der Gutachter kam zu dem Ergebnis, dass eine Schuldunfähigkeit nicht auszuschließen sei. Auf jeden Fall hätte der Angeklagte nicht aus eigener Kraft aus diesem Teufelskreis ausbrechen können, sondern erst, als die Sache aufflog. Danach habe er aber alles getan, um die Sache wieder gut zu machen: So habe er sich selbst um psychologische Hilfe bemüht und sich auch stationär mit seiner Sucht auseinandergesetzt.

Im Rahmen einer Wiedereingliederungsmaßnahme habe er im Sommer 2016 angefangen, bei einer Firma im Personalwesen zu arbeiten, die ihm ein gutes Zeugnis ausstellte. Der Gutachter kam zu dem Schluss, dass der Angeklagte «Beachtliches geleistet hat».

Die 1,7 Millionen Euro muss er zurückzahlen

Die Staatsanwältin folgte der Argumentation des Gutachters. Deshalb forderte sie, den Angeklagten freizusprechen. «So einen Fall von Spielsucht habe ich auch noch nicht erlebt», sagte sie. Auch die Verteidigerin plädierte auf Freispruch. Der Richter wollte dieser Argumentation jedoch nicht komplett folgen.

«Eine Steuerungsunfähigkeit sehen wir nicht. Dafür waren sie viel zu planvoll», sagte der Richter. Der Angeklagte muss jedoch nicht ins Gefängnis. Die 1,7 Millionen Euro muss er aber zurückzahlen.

Von RND/dpa

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