Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Hamburg Wird Gettorf zur Öldrehscheibe?
Nachrichten Hamburg Wird Gettorf zur Öldrehscheibe?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:44 03.08.2013
Von Cornelia Müller
Projektleiter Heiko Oppermann und Sprecher Derek Mösche (rechts) erläuterten in die neuen Ölförderpläne Schwedeneck-See. Gettorf hat der Konzern als Umschlagplatz für den Rohstoff ins Visier genommen. Quelle: C. Müller
Gettorf

„Gettorfs Bahnhof ist angepeilt für die Verladung“, sagte Projektleiter Heiko Oppermann vor dem Umwelt- und Bauausschuss des Kreises Rendsburg-Eckernförde. Das Gremium hatte Kommunalpolitiker der Region zu der Infoveranstaltung geladen. RWE Dea hatte im Mai in Schwedeneck verkündet, man plane wieder zu bohren, diesmal von Land aus.

 Kommunalpolitiker, Referatsleitern der Verwaltung Dänischer Wohld und Amtsdirektor Matthias Meins blieb im Saal des Hotels Stadt Hamburg zunächst die Luft weg. „Wir setzen uns über Genehmigungsflächen für Windenergie und die Energiewende auseinander. Und RWE Dea zaubert die Ölförderung aus dem Hut, winkt mit der erteilten Bewilligung und spricht von einer Pipeline nach Gettorf. Das ist, gelinde gesagt, mehr als verblüffend“, echauffierte sich Meins. Bisher hätten Aussagen des Konzerns wie vage Absichtserklärungen geklungen. „Aber diese Deutlichkeit ist ein Hammer.“

 „Erfolgreich mit hohem Wachstumspotenzial“, wirbt der deutsche Öl- und Erdgaskonzern für sich. Die interne Aufbruchsstimmung schwappt jetzt mitten ins Urlauberparadies bei Kiel, weil schon bis vor 13 Jahren 3,5 Millionen Tonnen Erdöl und 31,5 Millionen Kubikmeter Erdölgas über Förderplattformen in die Leitungen der RWE Dea flossen. Vollständig ausgebeutet wurde das Feld nicht. Die Erlaubnis, hier wieder nach Öl zu suchen, besitzt der Konzern noch. „Und neue Technologien lassen heute die Förderung über eine tiefe Horizontalbohrung zu“, erläuterte Oppermann. „Das Öl von Schwedeneck ist so hochwertig, dass wohl 60 Prozent des noch vorhandenen Rohstoffs förderbar sind.“ Auf dem Papier ist von 400000 Tonnen die Rede, im Gespräch nannte er „eher 700000 Tonnen“. Bei einem Preis von 100 Dollar pro Barrel sei das Projekt in jedem Fall wirtschaftlich. Eine Tonne Erdöl entspricht 7,3 Barrel.

 So beantragte RWE Dea auch die Bewilligung, „Bodenschätze zu gewinnen sowie das Eigentum daran zu erwerben“. Das Landesamt für Bergbau in Clausthal-Zellerfeld erteilte diese im März 2013 für vier Jahre. „Wir wollen im letzten Jahr nach den Vorarbeiten am Reißbrett und erteilten Baugenehmigungen die Horizontalbohrung vom Bohrturm an der Küste aus vornehmen und dann Verlängerung beantragen. Diese Ölförderung ist langfristig. Der Turm wird wieder abgebaut, sobald die Leitung steht.“

 Man wolle Akzeptanz, bekundeten Oppermann und Pressesprecher Derek Mösche. Ein „unauffälliges Betriebsgelände“ an der Küste, die Pipeline, ein zweiter Betrieb in Gettorf und die Bahnverladung könnten Schwerlastverkehr verhindern. Ihre Antwort darauf, ob der Wohld dafür mit finanziellen Vorteilen rechnen könnten, löste Kopfschütteln aus: „Der Bund bekommt die Förderabgabe. Die kommt der ganzen Volkswirtschaft zugute …“

 „Ich schätze es zwar, dass RWE Dea früh das Gespräch sucht“, fasste Meins zusammen. „Und wir wissen uns von den Behörden von Kreis und Land etwa beim Kanalausbau gut unterstützt. Aber harte Auseinandersetzungen sind jetzt programmiert. Noch so ein Großprojekt in der Region trifft uns mitten ins Mark.“

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige