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Kultur Tag und Nacht auf Waljagd
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11:15 21.01.2018
Von Thomas Richter
Horst Stenzel ließt Moby Dick. Quelle: Björn Schaller

 Seit mehreren Stunden sitzen Ingrid Richter und ihr Mann im Zoologischen Museum Kiel und verfolgen Herman Melvilles 1851 erschienen Jahrhundertroman Moby Dick, eines der wichtigsten Werke nicht nur der amerikanischen Literatur. In einer 24 Stunden-Lesung, also einen ganzen Tag und eine Nacht lang, präsentierte das Junge Theater im Werftpark am Wochenende  „unter den Augen“ eines riesenhaften Walskeletts die schicksalhafte Fahrt des Walfangschiffes Pequod und seines Kapitäns Ahab, der in wahnsinnigem Hass den weißen Pottwal Moby Dick jagt, weil dieser ihm einst ein Bein abgerissen hat.

In Gänze gelesen habe sie das Werk noch nicht, sagt Ingrid Richter, weshalb sie dieses „tolle Projekt“ so gerne besuche. Da macht es auch nichts, dass das Paar, wie etwa zur Mittagszeit auch mal ziemlich alleine zuhört. Aber das Kommen und Gehen des Publikums war natürlich einkalkuliert wie die Chefin des Theaters, Astrid Großgasteiger, erzählt. „In den ersten vier Stunden sind hier etwa 50 Menschen durchgekommen, viele haben sich einen Stempel geben lassen, um  dann nach Belieben kommen und gehen zu können“, sagt die Theatermacherin und ergänzt, dass sie selber um 3 Uhr nachts und zum Finale um 9 Uhr morgens noch einmal mit Lesen dran sei.

Dann aber werden die kleinen Kinder, die sich jetzt, während ihre Eltern lauschen,  in der extra eingerichteten Kuschelecke tummeln, wohl schon in der Koje liegen – oder wieder aufstehen.

24 Stunden am Stück lesen - eine Herausforderung

Man hätte sie nicht lange überreden müssen, an diesem Lesemarathon teilzunehmen, versichert Ensemble-Mitglied Kristin Hansen, die einen ihrer Auftritte gerade absolviert hat und den Stab an den Kollegen Horst Stenzel weiterreicht. Im Gegenteil, „ich finde es sehr interessant und spannend in dieser besonderen Situation aufzutreten, zu sehen, wie das Publikum reagiert, was dessen Aufmerksamkeit erzeugt“, so die junge Künstlerin. Das kann auch Theaterpädagogin Karolin Wunderlich, die im zünftigen Seemanns-Dress gewandet umherstreift, und damit ein wenig Theater-Kolorit erzeugt, nur bestätigen. Bald wird sie den dunklen Südwester an einen ihrer Mitstreiter weitergeben und wieder selbst ans Lesepult treten.      

Eine Treppe tiefer empfängt Sebastian Kreuzer – wenn er nicht selber liest – die Zuhörer mit leckerem Tee, denn das  gewaltige Werk verlangt zuweilen natürlich auch nach einer Pause. „Eigentlich wollte ich alleine 24 Stunden durchlesen“, schmunzelt der Schauspieler und pustet in sein Heißgetränk, bevor er anfügt, „aber Astrid hat das für keine gute Idee gehalten.“  

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