Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Kultur Vielstimmig, fesselnd und hochwertig
Nachrichten Kultur Vielstimmig, fesselnd und hochwertig
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:36 06.01.2019
Von Thomas Richter
50 Voices in der Halle 400 - hier mit Sängerin Bridget Fogle (links unten). Quelle: Björn Schaller
Kiel

Der erste Eindruck: Natürlich sind fünfzig Stimmen zunächst einmal rein formal ein gewaltiges Pfund, mit dem sich ordentlich wuchern lässt. Das taten auch die 50 Voices, die im vergangenen Jahr einen erfolgreiche Auftritt im Kleinen Saal der Elbphilharmonie hinlegten, gleich mit ihrer ersten Nummer Lovely Day.

Und doch zeigte dieser Song wie die vielen Hits und Evergreens, die folgen sollten, trotz gelungener Arrangements ein leichtes Defizit im Klangbild. Es fehlen die tiefen Lagen, es fehlen Bässe und Baritons, es fehlen die Männer.

Damit sei absolut nichts gegen die hervorragenden Gesangsqualitäten der Damen im Chor gesagt. Und auch die Solistinnen Bridget Fogle und Chorleiterin Lerato Sebele-Shadare sind über jeden Zweifel erhaben. Dennoch fehlt dem Sound des großen Ensembles zuweilen die Grundierung, das wärmende Fundament.

Das Programm: Bot zwar nicht allzu viele Überraschungen, glänzte aber mit überaus populären Perlen aus Soul und R&B, (Aretha Franklin Medley, End Of The Road, Falling), Pop (How Deep Is Your Love, Rolling In The Deep) und Gospel (Order My Steps, Believer/Hosannah).

Als Gast konnte Solistin Bridget Fogle sowohl bei den Balladen als auch im Up-Tempo-Bereich überzeugen. Und bei Aretha Franklins ewig strahlendem Vitrinen-Schatz Respect entfachte die temperamentvolle Sängerin im golden funkelnden Showdress ihr ganzes Feuer. Zart und berückend schön interpretierte sie dagegen den frühen Michael Jackson Klassiker I'll Be There.

Auch die südafrikanische Sängerin und Chorleiterin Lerato Sebele-Shadare gab als Solistin bei Order My Steps eine grandiose Kostprobe ihres bestrickenden Gesangs.  Andreas Paulsen am Klavier und Christian Schicht am Keyboard zeichnen als weitere Chorleiter für die reizvolle und griffigen Arrangements verantwortlich.

Die Rhythmusabteilung mit  Ralf Klinsmann (Bass) und Jérôme Lellouche (Schlagzeug) sorgte für einen unaufgeregten, aber sauber gearbeiteten und süffig groovenden Beat. Herausragend und vielleicht die beste Nummer des Abends war Schichts Dirigat für seine Bearbeitung der R&B Schönheit I'm Gonna Be Ready von Yolanda Adams.

Sehr versiert definierte er die einzelnen Stimmgruppen auseinander und führte sie wieder zusammen, ohne dabei das harmonische Gesamtgefüge zu stören. Obwohl die Nummer die Grundzüge einer Ballade trägt, verfügt sie über eine hohe Dynamik und ein tolles Finale.

Das Publikum: Zeigte sich schon beim rhythmischen Klatschen zur Einlaufmusik (Lovely Day) des Chores in bester Verfassung. Weil nur zwei Menschen aus dem Publikum das Konzert der 50 Voices im vergangenen Jahr bereits besucht haben, gab's für den Rest viel Neues zu entdecken.

Den Auftakt des großen Finales der Show war ein Gospel-Medley, das die Zuhörer zu stehenden Ovationen und unbeschwerten mitfeiern animierte. So machten sie auch der folgenden Dancing Queen alle Ehre und ließen bis zur letzten Zugabe nicht mehr locker.  

Was in Erinnerung bleibt: Das vielköpfige Ensemble bot ein durchaus fesselndes und musikalisch hochwertiges Konzert mit einem sehr populären Programm. Die Sängerinnen und Sänger zeigten sich als starke und fast fehlerlos agierende Formation, die viel Zugkraft entwickelte. Und  Gastsolistin Bridget Fogle setzte dem Ganzen mit vielen bemerkenswerten Auftritten die Krone auf. 

Fazit: Programm, Performance und Arrangements alles bestens, alles lupenrein. Allein es fehlte an einigen Tieftönern. Womöglich teilt der Chor das Problem vieler singender Klangkörper, dass nämlich zu wenig Herren den Weg in die Probenräume finden. Also Jungs, ran an die Pulte.  

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Einmal Gott spielen und eine Welt erschaffen? Entweder informiert man sich in der Bibel über Risiken und Nebenwirkungen. Oder aber man spielt eine Partie „Orbis“. Die dauert keine sieben Tage, sondern eine flotte Dreiviertelstunde.

06.01.2019
Kultur Lemor-Silberwarensammlung - Entzündet an der alten Familienkiste

250 Großteile und über 2500 Besteckteile umfasst die Sammlung heute, die der Heikendorfer Rainer Lemor in Jahrzehnten zusammengetragen hat und inzwischen komplett dem Schlesischen Museum zu Görlitz als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt hat. Derzeit ist sie dort noch bis zum 10. März zu sehen.

Beate Jänicke 06.01.2019

Wie die Popgötter sungen, ­so rocken auch die Jungen. Von den Kindern von Beatles, Elvis und Co. versuchen sich nicht wenige mutig im Job der Eltern. Wer hat damit Erfolg? Wer hatte ihn? Und wer wartet noch auf den Durchbruch?

05.01.2019