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Kultur 60. Nordische Filmtage wurden eröffnet
Nachrichten Kultur 60. Nordische Filmtage wurden eröffnet
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14:39 31.10.2018
Von Ruth Bender
Helena Maria Reisner ist Leelo, „die kleine Genossin", Eva Koldits ihre von der Sowjetmacht nach Sibirien deportierte Mutter Helmes. Quelle: NFL
Lübeck

Die Kuscheltiere sind verpackt, die Direktorenwohnung im Schulgebäude ist geräumt, und auf Leelo und ihre Eltern wartet im Wald eine heruntergekommene Baracke. Estland im Sommer 1950 ist Stalin-Land, die jungen Pioniere mit den roten Halstüchern marschieren, und der Schulfreund von einst ist im Auftrag des sowjetischen Geheimdienstes unterwegs.

Filmfest eröffnet mit estnischer Produktion

In dieser Welt muss sich im Film „Die kleine Genossin“ die sechsjährige Leelo zurechtfinden. Mit der estnischen Produktion eröffnete erstmals ein Spielfilm aus dem Baltikum die Nordischen Filmtage, ein ungewohnt politisch-nachdenklicher Auftakt. 

Die Regisseurin erzählt die auf den Erinnerungen der Schriftstellerin Leelo Tungal basierende Geschichte aus der Kinderperspektive. Und sie lässt die Spannung und Bedrohung dabei aus der Kluft zwischen Leelos limitierter Wahrnehmung und der politischen Realität entstehen. Mit ihren neugierig inquisitorischen Fragen entlarvt das Mädchen die Ungereimtheiten im Verhalten der Erwachsenen, die zwischen estnischem Nationalstolz und Sowjet-Terror schlingern. 

Dabei kann sich Moonika Siimits mit Helena Maria Reisner auf eine berührende Hauptdarstellerin verlassen. Und sie findet eine Bildsprache zwischen hellem Sommerlicht, sozrealistisch inspirierten Tableaus und verschatteten Innenräumen, in denen sich die düster belegte Stimmung der Stalinzeit manifestiert.

Veranstaltung wurde um einen Tag verlängert

Bis Sonntag läuft das zum Jubiläum um einen Tag verlängerte und um einem neuen Preis für das beste Spielfilmdebüt erweiterte Festival, das am Sonnabend im Theater Lübeck insgesamt neun Auszeichnungen zu vergeben hat. Und Piret Tubbo-Hudgins, Filmproduzentin aus Estland und Jurorin für den Baltischen Filmpreis, brachte es auf den Punkt: „Im Norden haben wir entweder zu viel oder zu wenig Licht - und beides macht uns verrückt. Gut möglich also, dass es das Licht ist, was das nordische Kino so speziell macht.“

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